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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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Kantate 1888, Pareys Äorsteherschaft.

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nement und Anzeige und der Benutzung aller Vereinsanstalten und Ein-richtungen.

Wesen und Bedeutung der Reformbewcgung aber, wie sie in Kröncrverkörpert war und einerseits in der scharfen Fixierung und dem unbeirr-baren Festhalten des Ziels bestand, gleichgültig, wie leicht oder schwer esdiesem oder jenem erreichbar zu sein schien, andrerseits aber in einemallmählichen Entfalten von jenem Ziele geforderter Zustände aus organischentwickelten eigenen Überzeugungen und freiwilligen Entschlüssen heraus,konnten nicht besser und Heller ins Licht gestellt werden als durch einZwischen- und Nachspiel, das Kroners Rcformthätigkeit im Jahre 1888/89unterbrach und dann in den Jahren 1889/92 endgültig abschloß.

Die Zeit des zwiefachen Trienniums der Kröncrschcn Vorstchcrschaftwar mit Kantate 1888 abgelaufen. Paul Parey, dessen stürmischerGeist uns bekannt ist, wurde sein Nachfolger, und die Rheinländer warenes, die ihn zu der Annahme des Amtes vermochten. Welche Perspek-tiven sich damit ergaben, ist leicht zu erscheu. Indem Kröncr die Stelledes Ersten Borstehers verließ und Parey als der Kandidat des Rheinisch-Westfälischen Kreisvcrcins ihm folgte, war der Augenblick gekommen,in dcm eine hochgesteigcrte Spannung den Verschluß sprengte, den dasKrönersche Statut für sie darstellte.

Gleich zu Beginn seiner Vorstcherschaft schon setzte Parey allesdaran, die Korporation der Berliner Buchhändler zum Anschluß an denBorsenvercin zu bcwcgcn. Es war vergeblich; aber am 24. April wurdeeineVereinigung der Berliner Mitglieder des Börsenvereins der deutschenBuchhändler" gegründet. Da erfolgte ein für die Ziele der Reform-bewcgung schwerer Schlag von Leipzig aus. Man trug hier schwer andcm Joche des Fünfprozentrabatts: man hatte mit der Konkurrenz desmodernen Antiquariats und der Konkurrenz Berlins zu kämpfen; undam 19. Mai beschloß der Verein der Leipziger Sortimcntsbuchhändlcrdie Rückkehr zu dem alten Nabattsatz von 10"/.,. Der Provinzialbuch-handel geriet außcr sich, vor allcm dcr sächsische, der, nachdem der Leipziger Verband erst am 8. März mit dem Sächsischen und dem Verein DresdnerBuchhändler gemeinsam den Rabatt von5°/ vereinbart hatte, sichinder Schlinge gefangen" sah; und auch die neue Berliner Vereinigunghatte nun nichts angelegentlicheres zu thun, als zu erklären, daß, da