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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
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XXIX
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Einleitung

XXIX

Der Niedergang in dieser Beziehung überdauerte die Kriege. Sotraten Jahrzehnte politischer und militärischer Stagnation ein.Ganz allmählich kam das Land erst um die Mitte des vorigenJahrhunderts wieder zu Kräften.

Auch die Wehrverfassungen waren unter dem Druck deseisernen Gebotes größter Sparsamkeit entstanden und ließen nureinen verhältnismäßig geringen Teil der männlichen Bevölkerungdurch die heilsame Waffenschule des Heeresdienstes gehen. Alsin der zweiten Hälfte des Jahrhunderts Volkszahl und Wohl-habenheit wieder stiegen, wurde dieser Mangel doch nicht sogleicherkannt und beseitigt. Österreich mußte die Folgen davon imKriege gegen Frankreich um seine Herrschaft in Oberitalien bitterempfinden. Anders erging es in Preußen . Auch dort war dasHeerwesen nicht mit der Zeit fortgeschritten. Während die Ein-wohnerzahl beinahe auf das Doppelte gestiegen war, wurden dochimmer noch nur soviel junge Mannschaften ins Heer eingereiht,wie 1816. Die Last des Kriegsstaates ruhte auf einem geringenTeil der Bevölkerung, und dieser vermochte bei weitem nicht so-viel für den Krieg vorbereitete Streiter aufzustellen, als es diepolitische Rolle, zu der Preußen berufen war, erforderte. Dashatte sich in der nationalen Einheitsbewegung von 1848 besondersdeutlich gezeigt. Eine praktische Bedeutung hätte sie nur gewinnenkönnen, wenn Preußen imstande war, seinen Anspruch auf dieerste Führerstelle in Deutschland nötigenfalls mit den Waffen inder Hand geltend zu machen. Aber dazu fehlten die vorbereitetenKräfte. Preußens Kriegsminister hatte in entscheidender Stundeerklären müssen, daß das Heer nicht imstande sei, einen Kampfmit Öster reich aufzunehmen. Die kleinen Feldzüge gegen Däne-mark und in Baden ließen noch andere Mängel wahrnehmen. Mitweitschauendem Blicke aber erkannte Preußens weiser Monarchdieses Grundübel für die Entwicklung seines Vaterlandes und desganzen Deutschlands. Als Prinz Wilhelm von Preußen 1858die Zügel der Regierung ergriff, bahnte er das Werk der Heeres-reform, mit dem er sich längst schon beschäftigt hatte, ohne Zögern