Die schräge Schlachtordnung
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Truppen von rückwärts herangeholt werden, um sich der Gefahrentgegenzustellen. Dem half der König in einfacher aber genialerArt durch die Staffelung feiner Linien ab. Er hielt einen Flügeltreppenförmig gebrochen zurück. Dadurch kam dieser später mitdem Feinde in Berührung als der andere, und der Führer konntenoch während der Krisis des Kampfes über ihn verfügen. Stetswar der König darauf bedacht, mit dem Schwergewicht der Masseauf den schwachen Punkt des Feindes zu fallen. Das war Flügelund Flanke. Dorthin fchob er sich mit seinen gestaffelten Linienseitswärts zusammen. So vereinigte er in seiner bekannten schrägenSchlachtordnung die beiden Gedanken eines Flügelangriffs undplanmäßiger Reserveverwendung. Damit allein konnte eine Minder-zahl die Übermacht schlagen. Und dies war unausgesetzt seineAufgabe. Sollte es gelingen, einen Flügel des Feindes zu ver-nichten, ehe der andere herumschwenkte und ihm zu Hilfe kam, sowar bei dem ganzen Manöver überraschende Schnelligkeit notwendig.Der Feind mußte zu spät erkennen, worum es sich handelte. Damitstieg die Manövrierkunst im Werte.
Die Preußen allein hatten es ferner vermocht, die alteSchwierigkeit, Vorwärtsbewegung und Gewehrfeuer zu vereinigen,durch ihre Exerzierausbildung in einigermaßen befriedigender Weisezu lösen. Mit kurzen Schritten vorwärts rückend und haltend,feuerten die einzelnen Abteilungen der Linie, nach bestimmtemSysteme miteinander wechselnd. Schlag auf Schlag fielen Kommando-wort und Salve, ineinander eingreifend. Das war freilich einsehr künstlicher Mechanismus, der schon wegen des Verlustes anOffizieren nicht regelmäßig arbeitete. Aber dieses war dochmindestens zu Anfang der Fall, und später genügte es, wenn dasdem Feinde entgegenschlagende Feuer nicht abriß. Wie eine kugel-sprühende Mauer kamen die preußischen Bataillone an ihn heran.Ein österreichischer Zeuge aus der Schlacht von Mollwitz schreibt:„Ich kann wohl sagen, mein Lebtag nichts Süperberes gesehen zuhaben; sie marschierten mit der größten Kontenance und so schnur-gleich, als wenn es auf der Parade gewesen wäre; ihr Feuer gingnicht anders wie ein stetes Donnerwetter."
Friedrich und seine Generale waren sich ohne Zweifel überdie Künstlichkeit dieser Fechtweise klar. Sie handhabten sie auch jenach den Umständen mit großer Freiheit. Ihnen war die Ge-wandtheit der Truppen im Manövrieren und ihre Fertigkeit im