6 I. Das preußische Heer in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts
Schnellfeuer nur Mittel zum Zweck und niemals Selbstzweck. Ofthat der König den angreifenden Flügel durch ein voraufgehendesTreffen verstärkt, ihm auch Reserven folgen lassen und seinen Stoßdurch die zusammengefahrene schwere Artillerie vorbereitet. Erbrauchte die Mittel, wie er sie im Augenblick für zweckmäßig er-kannte, um den Sieg an seine Fahnen zu fesseln. ^'
Generale und Offiziere arbeiteten einmütig daran, die Truppenach dieser Richtung zum geeigneten Werkzeuge für ihren Königzu machen. Bei aller Strenge im kleinen fehlte doch die zwecklosePedanterie. Friedrichs scharfes Auge überwachte den ganzen Be-trieb auf das sorgfältigste und erkannte die Auswüchse, die derKönig dann wieder beschnitt. Den Truppen wurde vor allenDingen ein ungestümer Offensivgeist anerzogen. Diese Fechtweisekam durch den Angriff im offenen und ebenen Gelände amglänzendsten zur Geltung, aber die damalige preußische Infanterieverstand es auch, sich iu der Verteidigung zu schlagen. Ebenso wiesie in schnurgeraden Linien vorrückte, wußte sie dieselben zu brechenund sich zu teilen, truppweise in Wäldern und Dörfern zu fechteu,steile Abhänge zu ersteigen, Schluchten und sumpfige Niederungenzu durchschreiten. Sie stellte das Muster eines Fußvolkes dar,soweit es die Mittel ihrer Zeit erlaubten.
Neu war im Vergleich zu dem, was sein Vater geschaffen,Friedrichs Art, seine Kavallerie zu verwenden. Schärfer noch alsin der Infanterie wurde bei der Reiterei der Trieb zu unwider-stehlichem Angriff erzogen, ihre Ausbildung sogar einseitig auf denentscheidenden Stoß während der Schlacht gerichtet. Die preußischeKavallerie sollte allemal zuerst attackieren. So hatte es der Königbefohlen, und so geschah es. Als Schlachtenkavallerie hat diefriderizianische Unerreichtes geleistet. Wie ein Sturmwind braustendie geschlossenen Schwadronen daher, wenn sie sich aus den Feindwarfen. Diesem blieb selten die Zeit, seine Gegenmaßregeln zutreffen. Kein Zögern oder Stutzen stellte die Entscheidung inFrage. Dabei wurde sie stets in Masse, meist auf den Flügelngegen die Flanke des Feindes verwendet, oft sogar kühn bis indessen Rücken geführt.^
Weniger tat Friedrich für die Artillerie. Zwei moderneGrundsätze aber hat er dennoch schon zum Ausdruck gebracht: dieEinleitung des Kampfes, zumal des Angriffs, durch Geschützfeuer,und die Massenverwendung.