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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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10 I. Das preußische Heer in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts

schließlich über das Maß des Erträglichen hinausging. Der Zweckkam im Vergleich zum Scheine überall zu kurz.

Die Löhnung wurde bei der beginnenden Teuerung der Lebens-mittel allmählich ganz unzureichend, und der Soldat mehr und mehrdarauf angewiesen, durch bürgerliche Arbeit Nebenverdienst zu suchen.Die beiden Nachfolger des großen Königs empfanden eine gründ-liche Aufbesserung als durchaus notwendig. Um Abhilfe zu schaffen,hätte aber der Staatssäckel geöffnet werden müssen. Noch wurdeder Staatshaushalt jedoch in der Art guter Familienväter geführt,welche die Ausgaben nach den vorherigen Einnahmen bemessen.Neue Geldquellen suchte man nicht. Dem Volke vermehrte Lastenaufzuerlegen, scheute man sich im Hinblick auf die große um-stürzende Bewegung in Frankreich . Vermehrte Schulden durfte derStaat nur mit Zustimmung der Landstände machen. Es hat aberbei König Friedrich Wilhelm IH. augenscheinlich die Sorge ge-herrscht, durch deren Einberufung eine Erregung in Gang zubringen, wie sie der großen Revolution voranging. So blieb esdenn nach vielen Anläufen immer wieder beim alten, oder dieVerbesserung war eine vollkommen unzulängliche.

Im Stande des Heeres hatte König Friedrich Wilhelm II. nützliche Neuerungen eingeführt. König Friedrich Wilhelm III.machte einzelnes davon wieder rückgängig. Ihm lag die Schönheitder. Truppe am meisten am Herzen. Gern hätte er größere Re-formen durchgeführt, deren Notwendigkeit er wohl einsah. Abersie sollten nichts kosten, um im Lande keine Unzufriedenheit zuerregen, und die Durchführung einer solchen Aufgabe ist unmöglich.So wurde denn eingeschränkt, wo sich irgend etwas ersparen ließ.Die wirkliche Dienstzeit der Einländer bei der Fahne kürzte sichmehr und mehr. Sie kam zuletzt vor dem unglücklichen Kriegefür den Infanteristen auf höchstens noch ein und dreiviertel Jahre.Die Ausländer saßen zum großen Teile während aller dienstfreienStunden in Spinnstuben und Werkstätten.Der Krieg und dessenErlernung scheinen gar nicht mehr unser Zweck zu sein; wirexistieren nur für die wenigen Tage, wo uns der König und derInspekteur sieht," schreibt ein denkender Soldat jener Zeit.

Gewiß soll der Krieger es lernen, Entbehrungen zu ertragen,aber ein System der Dürftigkeit und Knauserei, das nicht aufwirklicher Not, sondern auf übertriebenem Sparsamkeitssinne beruht,muß am Ende entwürdigend wirken. Dies zeigte sich zunächst