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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Gedrückte Stellung der Armee im Staate

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darin, daß die Stellung der Armee im Staate tiefer und tiefersank. Nicht nur die Mannschaft, sondern auch der größte Teilder Offiziere führte am Ende in der Sülle eine dürftige Existenz,und der Zwiespalt zwischen Schein und Wirklichkeit erzeugte eineweitgehende Mißstimmung.

Friedrich des Großen Grundsatz war es gewesen, daß derBauer und Bürger womöglich vom Kriege nichts spüren solle,und diese Sorge wurde immer mehr übertrieben, dem Lande amEnde gar nichts mehr zugemutet. Selbst im Felde und vor demFeinde wagten die Truppenbefehlshaber es nicht, in Privatrechteeinzugreifen. Wo eine Hütte im Interesse der Landesverteidigungabgebrochen werden sollte, traten langwierige Verkaufsverhandlungenein. Hungernde Truppen in reichen Ortschaften waren ein ge-wöhnliches Bild. Die Sorge vor Konflikten mit der Zivilautorität,bei der sie fast immer den kürzeren zog, herrschte bei den Kom-mandeuren überall. Noch im Jahre 1805 wurde die alte Vor-schrift befolgt, daß Kompagnien und Eskadrons sich von den Dorf-schulzen, in deren Ortschaften sie gelagert hatten, Zeugnisse überihr Wohlverhalten erbitten mußten. Gerade der Verdruß überihre gedrückte Stellung hat bei den Offizieren wohl viele von denzahlreichen Exzessen hervorgerufen, über die aus jenen Zeiten ge-klagt wird.

Auf dem Gebiete der Fechtweise und der Kriegführung vollzogsich zu gleicher Zeit eine sonderbare Bewegung. Dem Zeitalterder Aufklärung zu Ende des 18. Jahrhunderts entsprach der Zug,das Wesen beider zu mildern und zu vergeistigen. Die großenVerluste der friderizianischen Schlachten erschienen den weichlicherwerdenden Gemütern als der Ausdruck von Barbarei und Mangelan Kunst in der Kriegführung. Es sollte im Kampfe die Über-legenheit sich mehr und mehr aus dem Manöver ergeben. BeimEinbrüche in den Feind, in Dörfer, Wälder und andere Örtlich-keiten hat man wohl auch gefürchtet, die herrliche, mit so großerMühe hergestellte Ordnung der Truppen zu stören. So kam dieunselige Manier auf, die vorrückende Infanterie, ehe sie an denFeind heran war, sich durch Aufrücken der nachfolgenden Staffelnwieder alignieren und ihre Salven in den Feind hinein-schleudern zu lassen. Durch das Streben nach Feuergeschwindigkeitwurde die Treffsicherheit mehr und mehr beeinträchtigt. Um soschnell, wie es verlangt wurde, laden zu können, rissen die Mann-