Neue Fechtweise in Frankreich IS
So trat die Kolonnentaktik mehr und mehr in den Vordergrund,und die Führer lernten es, mit der Unregelmäßigkeit, ja selbst mitder Unordnung zu rechnen.
Die Artillerie begann eine ganz veränderte Rolle zu spielen.Was Friedrich in vielen Fällen, ja seit Leuthen fast durchweg, mitgenialem Scharfblicke schon ergriffen, wurde zur Regel, nämlich dieVerwendung von Geschützmassen zur Einleitung der Entscheidung.Dazu mußten sie beweglicher gemacht werden, und es kam dahin,daß die Artillerie ohne Schwierigkeit überall dorthin gelangte,wohin man sie einst nur langsam und mit Mühe gebracht hatte.Manövrierfähige Batterien entstanden und gewährten den Truppen-führern das Mittel, Kräfte und Anstrengungen auf einen Punktzu vereinigen, wie es bei den überall gleich starken angreifendenLinien nicht möglich gewesen war. Die Artillerie lernte, imGalopp schon mit denjenigen Zwischenräumen aufzufahren, welcheihre Geschütze in der Schlachtlinie haben mußten. Dadurch wurdenTätigkeit, Schnelligkeit und die Lust zum Angriffe angeregt. Dieschwere Artillerie, die Zwölf- und Vierundzwanzigpfünder, Haubitzenund Mörser, die unter dem großen Könige trotz ihrer mangelhaftenBespannung schon zum Feldheere gehörten, verschwanden damalsim Interesse der Beweglichkeit aus demselben und blieben ihm fernbis auf die neuesten Zeiten.
Für die Operationen im großen ward statt des einheitlichenSchlachtkörpers die Gliederung der Armee in selbständige Teileeingeführt. Anfänglich fand dies noch schematisch statt: in Vorhutund Nachhut, Reserven rechts und links, sowie den eigentlichenSchlachtkörper. Allmählich indessen stellte sich größere Freiheitein, und während der Revolutionskriege ergab sich diese aus derNotwendigkeit, die Streitkräfte an verschiedenen Punkten des Landesaufzustellen. Der Gliederung entsprach die Ausbreitung in der Be-wegung. Das Verschwinden des wohlgeregelten Verpflegungs-apparates machte diese notwendig, um die Truppe vom Landeleben zu lassen. Die Scheu, dessen Mittel in Anspruch zu nehmen,und die Ängstlichkeit gegenüber dem Privateigentum, die den könig-lichen Armeen überall so hinderlich war, schwand durch die Re-volution von selbst. So umspannten die Heere das ganzeOperationsgebiet, um sich dahin zusammenzuziehen, wo die Ent-scheidung herannahte. Hieraus ging von selbst das Streben nachUmfassung hervor, und die festen Positionen, vor denen man