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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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II. Der Krieg von 1806 und 1807

den Thron bestieg, liebte den Frieden und die Ruhe über alles.Jede schnelle und kräftige Entschließung war seinem Temperamentzuwider. Im Bewußtsein des eigenen redlichen Willens, kriegerischeVerwickelungen mit den Nachbarn zu vermeiden, gab er sich dertrügerischen Hoffnung hin, daß diese gleiches mit gleichem vergeltenwürden. Bonaparte verstand es, ihn lange zu täuschen und ihnan seine Loyalität glauben zu machen. Der König hielt ihn biszum Winter vor dem unglücklichen Kriege noch für einen auf-richtigen Freund Preußens . So konnte es dahin kommen, daßPreußen bei der ersten ernsten Probe, auf welche die Sicherheitder norddeutschen Neutralität gestellt wurde, einen Beweis kläglicherpolitischer Schwäche gab. Seit 1801 hielten seine Truppen dasKurfürstentum Hannover besetzt, um es gegen fremde Beschlagnahmezu schützen. Das war nicht nur das gute Recht, sondern auch diePflicht des Schirmherrn der norddeutschen Neutralität. Es ent-sprach zudem vollkommen den Festsetzungen des Baseler Friedens.1803 aber verlangte Bonaparte das Einrücken französischer Streit-kräfte und Preußen fügte sich unter Hinnahme belangloser Zu-sicherungen. Es duldete die Besetzung und entschied damit seineigenes Schicksal. Bonaparte wußte von nun ab, mit wem er eszu tun habe. Er sah den Staat Friedrichs des Großen mehr undmehr als eine Beute an, die ihm zufallen werde, wann es ihmbeliebte. Sein Gesandter in Berlin berichtete ihm damals:DerKönig ist furchtsam und umgeben von furchtsamen Leuten." Dieswar nicht in einfachem Sinne des Wortes zu verstehen. DerKönig hat sich oft genug in der Folgezeit als braver Soldatgezeigt. Aber seine unbesiegbare Abneigung, über das eigene Volkdie Leiden des Krieges zu verhängen, leitete ihn irre und ließihn auch den dürftigsten Ausweg benutzen, um die Fortdauer desFriedens zu fristen.

Preußen hatte sich von der zweiten Koalition gegen Frankreich ferngehalten und schloß sich auch der dritten von 1805 nicht an,trotzdem der dem Königshause persönlich befreundete KaiserAlexander von Rußland lebhaft drängte, und sogar zu der Drohungschritt, seine Heere ohne weiteres durch preußisches Gebiet mar-schieren zu lassen. Diese Drohung machte zwar nicht er, wohl aberder zum Kaiser gekrönte Bonaparte gleich darauf wahr, als er seinein Hannover stehenden Streitkräfte unter Marschall Bernadotte durchdas Preußische Ansbach in den österreichischen Krieg marschieren ließ.