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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Friedrich Wilhelm III. Friedensliebe. 1806

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Im ersten Zorn über die Verletzung seiner Würde und seinesGebietes hatte der König freilich dem französischen Gesandten diePässe zustellen lassen wollen, und damit wäre der Krieg entschiedengewesen. Diesmal aber beschwichtigte ihn zum Unglück des Landessein vornehmster Berater Hardenberg und brachte es dahin, daßder König sich nur verpflichtete, an der Spitze seines Heeres fürden Abschluß eines allgemeinen Friedens eintreten zu wollen. Auchdas persönliche Erscheinen Kaiser Alexanders in Berlin ändertenichts daran. Während sich die preußischen Truppen aus allenProvinzen und in größerer Zahl wie zu dem Entscheidungskampfeim Jahre darauf gegen den Kriegsschauplatz hin in Bewegungfetzten, reiste Friedrich Wilhelms III. Bevollmächtigter, GrafHaugwitz, zögernd und langsam mit Forderungen zu Napoleon ,von denen er im voraus überzeugt war, daß sie abgewiesen werdenwürden. Darüber ward am 2. Dezember 1806 die Dreikaiser-schlacht von Austerlitz geschlagen und ging für Österreich undRußland verloren. Österreich bequemte sich dazu, den siegreichenImperator um Frieden zu bitten, und Kaiser Alexander zog sichmißmutig von seinem Heere zurück, das er gegen die heimischenGrenzen in Bewegung setzte. Nun stand Preußen, das durch seineUnentschlossenheit die Verbündeten aufs tiefste verstimmt hatte,dem Gewaltigen allein gegenüber. Dahin hatte es die unseligebewaffnete Vermittlung gebracht. Graf Haugwitz glaubte nichtsKlügeres tun zu können, als seinen Auftrag zu verschweigen undden ihm von Napoleon diktierten Schönbrunner Vertrag zu unter-zeichnen, der Preußen an Frankreich kettete und es durch dieForderung, daß es Hannover besetzen solle, noch mehr als bishervon den übrigen Mächten trennte. Die Ratifikation blieb freilichdem Könige vorbehalten, und er verweigerte sie. Aber Graf Haug-witz reiste nach Paris , begriff dort feine unerhörte Verblendungund mußte sich vor des Kaisers Drohungen zur eigenmächtigen Unter-zeichnung des noch ungünstigeren Vertrages vom 15. Februar 1806bequemen. Dieser verlangte die unverzügliche BesitzergreifungHannovers, die Schließung der Elbe - und Wesermündung sowiedes Hafens von Lübeck und raubte so dem Könige die letzte Aussichtauf fremde Unterstützung durch England .

Leider war in Preußen inzwischen das Unglaubliche geschehen unddie Armee zum großen Teile wieder auf Friedensfuß gesetzt worden.Im Spätherbst 1805, von der frohen Hoffnung erfüllt, daß es endlich