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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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II. Der Krieg von 1806 und 1807

zur Waffenentscheidung und zur Wiederherstellung des alten Ruhmeskommen werde, kehrte sie jetzt mißmutig und niedergeschlagen indie Friedensgarnisonen zurück. Auch die Truppen, die KaiserAlexander am Schlüsse des Krieges von 180S in Norddeutschlandstehen ließ und dem Könige zur Verfügung stellte, marschierten in dieHeimat zurück. So blieb denn im Augenblicke nichts übrig, alssich zu unterwerfen. Am 25. Februar ward der unerhörte Vertragzu Berlin ratifiziert. Am 1. April erfolgte die förmliche Besitz-ergreifung Hannovers. England antwortete mit der Beschlagnahmevon einigen hundert preußischen Schiffen und am 2. Juni mitBlockade, Kriegserklärung und Ausstellung von Kaperbriefen; auchmit Schweden trat der Kriegszustand ein. Preußen ließ es sichdafür gefallen, daß der französische General Rapp die zur Sperrungder Strommündungen und Häfen getroffenen Maßregeln einerBesichtigung unterwarf und herablassend seine Zufriedenheit mitder angewandten Strenge äußerte. So weit war es mit derstolzen Monarchie Friedrichs des Großen ohne einen Schwert-streich gekommen.

Aber man glaube nicht, daß des Königs leidenschaftlicheFriedenspolitik von seinem Volke gemißbilligt worden sei. Nurwenig klar blickende Männer erkannten die darin liegende Gefahr.Die große Menge jubelte ihr zu. Auch Köpfe, die für erleuchtetgalten, billigten nicht nur, sondern priesen eine Staatskunst, diees verstanden habe, Gebietserweiterungen ohne einen Kanonenschußzu ermöglichen. Das leichtlebige, genußsüchtige Geschlecht, das ausder französischen Revolution gelernt hatte, für Menschenrechte zuschwärmen, darunter aber vor allen Dingen das eigene Behagenverstand, war zufrieden, wenn ihm jegliche große Anstrengungerspart blieb, und erblickte hierin aller Weisheit letzten Schluß.

Am preußischen Hofe freilich vollzog sich im Verlaufe desWinters und Frühjahrs von 1806 eine Umwandlung der Stimmung.Man empfand, daß die Politik der Neutralität weder ehrenvollnoch weise gewesen sei. Allmählich reifte der Entschluß, beinächster Gelegenheit auf der betretenen Bahn inne zu halten undsich von der Gefolgschaft Frankreichs loszusagen, ja es selbst aufeinen Krieg ankommen zu lassen. Die Einsicht, daß ein solcherauf die Dauer unvermeidlich sei, begann sich zu befestigen. Nocham 13. Februar hatte der preußische Gesandte Lucchesini aus Paris nach Berlin berichtet:Wenn der Kaiser noch etwas auf seine