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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
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Französische Herausforderungen. 1806

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Minister hört, wird er dem Kontinent einen soliden Frieden geben."Am 24. desselben Monats aber berichtete der klarblickendere Le-gationsrat Roux bereits über die kriegerische Stimmung am fran-zösischen Hofe. Bald folgten auch die Herausforderungen. Durchein Patent vom 28. März ergriff Murat, der neuernannte Herzogdes 1805 von Preußen aufgegebenen Cleve und Berg, Besitz vonPreußischen Herrschaften unter dem Vorwande, sie hätten früherzu Cleve gehört. Der Rheinbund wurde gegründet, ohne daßPreußen vorher davon verständigt worden wäre. Zur Bildungdes Norddeutschen Bundes unter preußischer Führung forderteNapoleon offen auf, hinderte sie aber zu gleicher Zeit insgeheim.Am 25. Mai riet er Preußen an, das schwedische Pommern zubesetzen und Stralsund zu nehmen. Sein Zweck war natürlichnur, den König noch mehr mit denjenigen Mächten zu verfeinden,welche seine natürlichen Bundesgenossen hätten sein können. Endlicherfuhr man auch, daß er in vertraulichen Friedensverhandlungenmit England ohne die mindeste Scheu vor dem preußischen Rechtdie Rückgabe Hannovers angeboten habe. Diegroße Armee",die 1805 gegen Österreich und Rußland gefochten, blieb in Süd-deutschland stehen. Zwar suchte Lucchesini die Negierung durchden Hinweis zu beruhigen, daß es sich nur um eine Drohunggegen Rußland handele, mit dem Napoleon über den Friedens-schluß wegen der orientalischen Angelegenheiten noch nicht einigsei. Das änderte aber nichts an der Tatsache, daß sie sich injedem Augenblicke nach Norden in Bewegung setzen konnte. Endlichmußten auch dem Verblendetsten die Augen aufgehen, und am17. Juni gestand Lucchesini ein, daß der Wille Napoleons dieeinzige Regel des Rechts sei und seine Gunst Schiedsrichter überdie Politische Existenz der von ihm abhängigen Staaten. Nunerschrak sogar Haugwitz:Sucht er mit uns Streit, bedarf erneuer Nahrung für einen neuen Krieg? Mit Sorge gebe ich micheiner solchen Erwägung hin." Lucchesini verhehlte sich schon gegenEnde Juli nicht mehr, daß der Kaiser wirklich den Krieg wünsche.Die Erinnerung an das Übel, welches die preußischen Armeenihm im letzten Winter haben antun wollen und können, ist nochganz laut, ganz feindselig in ihm, völlig das Verlangen nach Racheatmend." Preußen befand sich in des Kaisers Hand und mußtesich entweder zum willenlosen Werkzeuge Frankreichs herabwürdigenoder kämpfen.Wenn Napoleon mit London verhandelt, so will