Unklarheit im Oberbefehl. Kriegspläne
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reitender Artillerie schwankte. Die Division zählte etwa 9000Mann, die ganze Armee 126 800.
Des Herzogs einfacher Entwurf wurde zunächst von der Um-gebung des Königs durch einen anderen ersetzt. Ihm zu-folge sollten nur die Hauptarmee sich bei Naumburg , die desFürsten Hohenlohe bei Chemnitz , das Korps Rüchels sich mit denHessen bei Fritzlar und Blüchers Truppen in Westfalen sammeln,während Kalckreuth bei Leipzig und der Herzog von Württembergmit der Reserve bei Torgau , Tauentzien aber mit den fränkischenRegimentern und einigen sächsischen Truppenteilen bei Hof, hieralso dem Feinde nahe gegenüber, stehen würden. Das lag ganz imGeschmack der Zeit. Leicht erkennt man, daß im Falle einesbaldigen Losbruches höchstens die Hauptarmee, Hohenlohe undTauentzien zur Schlacht gegen die gesamte französische Macht ver-einigt werden konnten.
Am 25. September trat an Stelle dieser abenteuerlichen Er-findung der Plan eines Vormarsches über den Thüringer Wald , alsdessen Urheber Scharnhorst anzusehen ist. Hiernach sollten dieHeere sich zunächst am Nordfuße des Waldgebirges versammelnund dann gemeinsam durch dasselbe vorgehen, um die Franzosen in Süddeutschland zu überraschen. Für Rüchel und Blücher wurdedie Straße über Eisenach gewählt. Die Hauptarmee sollte im all-gemeinen über Erfurt und Weimar, Hohenlohe über Jena undGera vorgehen, das dazwischen liegende Straßennetz aber gleichfallsausgenutzt werden, um die Bewegung möglichst schnell zu voll-ziehen. Das vorbereitende Zusammenschieben der drei Armeenbedingte natürlich einen Zeitverlust, und es wurde berechnet, daßdie Armee am 12. Oktober aus dem Thüringer Walde mit vielenSpitzen in das offenere Gelände nach Franken hinein heraustretenkönne.
Dieser Entwurf erfreute sich lange Zeit hindurch eines großenAnsehens; selbst ein Clausewitz hat ihm Beifall gezollt. Blicktman auf die Ereignisse, wie sie sich hinterdrein in Wirklichkeitabspielten, so muß man sich aber fragen, woher die Hoffnung ge-kommen sei, am 12. Oktober, also nach 18 Tagen, noch den Gegnerzu überraschen. Es scheint, daß man stillschweigend angenommenhabe, er werde sich bis dahin untätig verhalten, und diese An-nahme war bei einem Napoleon nach allen Erfahrungen, welcheEuropa bis dahin mit ihm gemacht hatte, nicht berechtigt. Einige