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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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II. Der Krieg von 1806 und 1807

jenseits Magdeburg zurückgeblieben; die Hauptkräfte der großenArmee, welche nach der Doppelschlacht den geraden Weg auf Berlin eingeschlagen hatten, sahen sich durch die Elbe oberhalb Magdeburg ausgehalten. Des Kaisers Unwillen darüber war groß, aber imGruude genommen lag die Schuld an ihm selber. Noch fehlte inden Heeren die peinliche Sorgfalt der Kriegsvorbereitungen unsererZeit. Es waren keinerlei Übergangsmittel zur Stelle. Der Zeit-verlust wäre noch größer geworden, wenn nicht ein Zufall denFranzosen die Brücke von Wittenberg fast unversehrt in die Händegespielt hätte. Eine kleine Preußische Abteilung, die dort gestandenhatte, steckte sie freilich beim Abmärsche in Brand, überwachte aberdie Zerstörung nicht, und die Einwohnerschaft löschte das Feuer,dem Feinde so den Weg bahnend.

Die erste französische Kriegsbrücke bei Roßlau scheint nichtvor dem 23. Oktober früh vollendet und dann noch wenig sichergewesen zu sein. Inzwischen aber waren die Marschkolonnen überWittenberg ausgebogen. Auch Murat kam, den Gedanken an einAbdrängen des Herzogs von Weimar aufgebend, zur Elbe nachBarby heran, schloß sich Bernadotte an und vermehrte dieSchwierigkeit des Stromüberganges.

So konnte Hohenlohe am 21. Oktober die Gegend von Burgungehindert erreichen. An 60 Bataillone, 121 Eskadrons und

Batterien hatten sich zusammengefunden, alle sehr geschwächt,aber doch immerhin noch ein Korps von mehr als 25 000 Mannbildend. Für den Weitermarsch der Hauptkräfte wurde der Wegüber Genthin, Rathenow, Friesack, Ruppin, Zehdenick und Prenzlau gewählt. Die Nachhut, das ehemalige Reservekorps des Herzogsvon Württemberg, sollte dort folgen, zur Rechten aber, dem Feindezugewendet, General v. Schimmelpfennig mit den leichten Truppenmarschieren, während der Kavallerie, die größtenteils unterhalbMagdeburg über die Elbe gegangen war, die sichere innere Seitezugewiesen wurde. Am Tage marschierte man kampfbereit, obwohlman nicht fechten wollte, zerstreute sich abends in weitläufigeQuartiere und sammelte sich morgens wieder durch längere An-märsche. Offiziere und ein Beamter wurden vorausgeschickt, umfür Unterkunft und Verpflegung zu sorgen.

Schwerfällig genug war diese Anordnung immer noch. Wieanders, wenn sich die zahlreiche Kavallerie auf die Seite nach demFeinde hin hegeben hätte, um weithin aufzuklären und seine Be-