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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Erschöpfung der französischen Armee

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unabweislich der Ruhe. Der Kaiser beugte sich der eisernen Not-wendigkeit. Nur langsam noch folgte er den abziehenden Russenauf eine kurze Strecke und verlegte das Heer am 29. Dezember invorläufige Erholungsquartiere. Zum ersten Male in seiner Feld-herrnlaufbahn ergab sich Napoleon darein, zuzusehen, was der Feindtun werde und abzuwarten, bis das entsetzliche Wetter aufhöre.

Das Gefecht von Soldau am 25. Dezember ^306

Auch das preußische Korps war nicht ohne Kampf davon-gekommen. Den russischen Rückzug begleitend, war es, nach einemplanlosen und verfehlten Unternehmen gegen eine französische Ab-teilung bei Biezun, bis Soldau zurückgewichen und stand dortweithin zersplittert in abwartender Stellung. In dieser ließ essich vom Feinde überraschen.

Wie Bernadotte, war auch Ney etwas südlich ausgebogeu undkam am 25. Dezember aus dieser Richtung gegen den noch beiSoldau stehenden L'Estocq heran, der ihn von Lautenberg, also vonWesten her, erwartete. Auf der Südseite ist das Städtchen durchdie breite Niederung der Neide geschützt, über die damals ein1000 Schritte langer schmaler Damm führte. Das Flüßchen, dasweiter unterhalb zur Wkra wird, ist von einem Kanal begleitet.Trotz schwacher Besetzung hätte der Posten wohl gehalten werdenkönnen. Aber es geschah, was schon bei Halle und bei Lübeck ge-schehen war. Man hatte Schützen über den Damm vorgeschobenund deshalb auch die Brücken nicht abbrechen können. VerderblicheGewohnheiten im Heere haben ein zähes Leben. Neys ankommendeInfanterie warf nach kurzem Gefecht die preußischen Schützen zurück,mit denen untermischt sie auf den Damm gelangte. Die zu dessenBestreichung aufgestellten Geschütze wagten nicht zu feuern, und derFeind drang in die schlecht bewehrte Stadt. L'Estocqs weit aus-gedehnte Stellung war damit durchbrochen. Freilich kehrte er nunvon Westen her, wohin er mit einem Teil seiner Truppen vor-gerückt war, wieder um und suchte sich den Weg durch Soldau zubahnen. Brav drangen die Bataillone mehrfach ein, allein siewurden immer wieder von den im Ortsgefechte gewandterenFranzosen zurückgeworfen. Endlich blieb Soldau zur Nacht inNeys Besitz. L'Estocq zog um die Stadt herum auf Neidenburg ab, wo er bis zum 27. stehen blieb. Dann marschierte er querdurch Ostpreußen auf Angerburg, von wo er fernerhin den Rest