Druckschrift 
1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
Seite
111
Einzelbild herunterladen
 

Nachhutgefecht von Hof. Benntgsens Entschluß zur Schlacht 111

sammlung seiner Truppen. Auch Davout sollte von Heilsberg ausherankommen. Aber der Morgen des 7. Februar täuschte nochmalsseine Erwartungen. Bei Tagesanbruch standen nur noch wenigrussische Truppen vor ihm. Die Masse war in der Nacht vonneuem verschwunden. Davout erhielt Befehl, wieder über Barten-stein auszuholen. Alles übrige folgte fechtend in der Richtung aufPr.-Eylau. Der Kaiser sah wohl ein, daß er mit der EntsendungNeys einen Fehler begangen habe, denn sein Heer schmolz bedenklichzusammen, und er schrieb dem Marschall, der übrigens am 6. dieSpuren der Preußen verloren hatte, diese Bernadotte zu überlassenund auf Kreuzburg vorzugehen. Er wollte nunmehr den Russenden Rückzug nach Königsberg verlegen. Deren nächtlicher Marschwar auch diesmal wieder ohne Sorgfalt und Umsicht angeordnet.Die marschierenden Kolonnen stockten. Jedes kleine Hindernis aufdem Wege, ein gefallenes Pferd, ein umgestürzter Karren, einliegengebliebenes Geschütz hielt sie auf, denn niemand bemühte sich,sie beiseite zu schaffen. Näher und näher kamen die Franzosenheran und drängten lebhaft. Langsam und schwerfällig wälzten sichdie beiden Heeresmassen in nördlicher Richtung fort. Da entstandendlich bei Bennigsen der Entschluß, in der Gegend von Eylaustehen zu bleiben und die Schlacht zu wageu.

Der Zustand, in dem die russische Armee dort ankam, warein bedrohlicher. Die Auflösung begann ihre Schatten vor sichher zu werfen. Seit dem Abmarsch von Johnkendorf hatte sie beiTage gefochten, um nachts zu marschieren. Die Fälle werden inder Kriegsgeschichte selten sein, wo ein ganzes Heer ohne Unter-brechung vier Nachtmärsche hintereinander bei Winterkälte und aufverschneiten Wegen ausgeführt hat, ohne auseinander zu laufen.Die Nachhut stand frierend auf kaltem Schneefelde ohne Feuer undNahrung vom Abend bis zum Morgen unter dem Gewehr, umdann erst dem Rückzug zu folgen. Das dünn bevölkerte Land botden eng gedrängten Menschenmassen nur wenig zur Ernährung.Die Not war auf den Gipfel gestiegen, dazu kamen die trostlosenWege, welche die Truppe aufs äußerste ermüdeten.Der armeSoldat schleicht wie ein Gespenst einher, sich stützend auf seinenNachbar, sieht man ihn während des Marsches schlafen. Ich selbstbin halb schlafend, halb wachend hierher gekommen, und die ganzeRetirade kommt mir mehr wie ein Traum als Wirklichkeit vor."So schreibt ein Teilnehmer jenes denkwürdigen Zuges. Mit Sorge