Druckschrift 
1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
Seite
114
Einzelbild herunterladen
 

114

II. Der Krieg von 1806 und 1807

Aber die Angriffe wiederholten sich mit stärkeren Kräften.Die russischen Flanken wurden umfaßt, und obwohl hinter Ba-gration noch die 8. russische Division nebst zahlreicher Kavallerieauf ihren Flügeln aufmarschiert war, sahen die Verteidiger sichdoch gezwungen, langsam gegen Pr.-Eylau zurückzuweichen. Dorthielt Fürst Barclay de Tolly mit seinen leichten Truppen die Stadtbesetzt, während die Armee sich langsam auf den Höhen hinterderselben in Schlachtlinie ordnete. Der Angriff auf die Stadtscheint gegen Napoleons Willen in Gang gekommen zu sein. Voneinem hohen Berge am Waschkeiter See beobachtete er den Kainpf,als Marschall Augereau bei ihm eintraf.Man hat mir denVorschlag gemacht, Eylau noch heute abend zu nehmen," wendeteer sich zu diesem,allein einmal bin ich kein Freund von Nacht-kämpfen, und dann will ich auch mein Zentrum nicht zu weitvortreiben, ehe nicht Davout, der meinen rechten, und Ney, dermeinen linken Flügel bildet, eingetroffen sind. Ich werde sie daherauf diesem Plateau erwarten, das, von Artillerie gekrönt, der In-fanterie eine ausgezeichnete Stellung bietet. Dann, wenn Neh undDavout in der Linie sind, werden wir alle zusammen gegen denFeind vorgehen." Der Gang der Dinge war indessen stärker alssein Wille. Ein Gefecht schloß sich an das andere, und als dieAngreifer von der schlecht bewachten Nordwestseite her in die Stadteinzudringen begannen, da war kein Aufhalten mehr möglich. Auchzur Rechten gegen die Kirche setzten sich die Sturmkolonnen inBewegung und nahmen sie nach heftigen: Kampfe gegen 5 Uhrnachmittags. In den Straßen dauerte der Kampf noch mit großerHeftigkeit fort. Auf kaum 50 Schritt Entfernung beschossen russischeund französische Geschütze einander über den kleinen Marktplatzhinweg. Endlich ordnete Barclay, selbst schwer verwundet, dieRäumung an. Als er aber Eylau auf der Nordostseite verließ,kam ihm dort Bennigsen mit der 4. russischen Division entgegen,um die Stadt noch einmal zurückzuerobern. Das gelang. Etwaum 6 Uhr war sie von neuem in russischer Hand, doch nur, umeine halbe Stunde später abermals verlassen zu werden. Schwerist aufzuklären, was der Feldherr mit diesem wunderlichen Vor-stoße bezweckt hat. Wahrscheinlich ist, daß er irgend einer dervielen augenblicklichen Regungen folgte, die im Verlauf eines sowütenden Kampfes auf das Herz des Oberbefehlshabers einstürmen,sich aber später nicht folgerichtig aufklären lassen. Als das Getöse