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II. Der Krieg von 1306 und 1807
Deckungen war auch die russische Kavallerie aufgetaucht und hattesich auf die Weichenden gestürzt.
Der Kaiser und sein Stab, die dem ganzen Vorgange, seit derSchnee aufhörte, als Zeugen beigewohnt hatten, kamen selbst inGefahr. Bis dicht an die Kirchhofshöhe heran gelangte der russischeGegenstoß. Der Ruf: „Rettet den Kaiser!" wurde laut. Dieserselbst ließ ein bewunderndes: „HusIIs »nckave!" hören. Doch derStoß erlahmte noch vor dem Ziel. Der Kaiser hatte MuratsKavallerie, sowie die Gardegrenadiere und die Jäger zu Pferde indie entstandene Lücke geschoben. Die Garde zu Fuß hielt er füreinen letzten Notfall zurück. Im ganzen gingen 18 Kavallerie-regimenter vor. Aber die Schwadronen waren zu kleinen Häufleinzusammengeschmolzen. Zu Attacken, wie wir sie heute auf unserenManöverfeldern sehen, und wie sie die Schlachten von 1870 derälteren Generation gezeigt haben, kam es nicht. Dazu waren diePferde nicht mehr imstande. Sie können nur noch einen Anlaufin mattem Trabe oder ganz kurzen Galopp gemacht haben. Sicher-lich hemmte auch der tiefe Schnee die Bewegungen. Kleine Gruppendurchbrachen wohl die russischen Linien und kehrten erst auf weiten,Umwege zur Eylauer Kirche zurück. Das Ganze aber kam baldzum Stehen, und endlich trennten sich Feind und Freund, um indie alten Linien wieder zurückzugehen. Die Franzosen scheinenindes am Nachmittage etwas vorwärts der Bartensteiner Straßegestanden zu haben.
Nun hing das Schicksal des Tages von Davouts undSt. Hilaires Angriff zur äußersten Rechten ab. Die Kreegebergewurden dort heiß umstritten; denn Serpallen war bald genommenworden. Friant, Morand und St. Hilaire gelang es, sie nach hinund her wogendem Kampfe um 1 Uhr nachmittags zu besetzen.Vor ihnen öffnete sich der Blick auf die in der Tiefe nordwärtsvorüberziehende Königsberger Straße. Wurde diese erreicht, sohatte die russische Armee ihren natürlichen Rückzug zur Heimatverloren. Aber die Siegesfreude dauerte nicht lange. Starkerussische Kavalleriemassen tauchten im Schneegestöber vor den über-raschten Franzosen auf. Sie wendeten sich gegen die linke Flankeder Division St. Hilaire, sprengten ein schützendes Bataillon undbrachen in sie hinein. Die Division wich zur Bartensteiner Straßezurück; auch Friant und Morand verloren an Boden. Die Kreege-berge waren wieder in russischer Hand. Da traf die letzte der