Druckschrift 
1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
Seite
138
Einzelbild herunterladen
 

138

II. Der Krieg von 180k und 1807

Kalckreuth sah ein, daß es sich nicht nur darum handelte, dieWerke von Danzig zu behaupten, sondern auch die Umgebung,soweit es irgend anging. Danach traf er seine Maßregeln, so guter es noch vermochte. Der Holm, dessen Besitz für die Aufrecht-erhaltung der Verbindung mit der Ostsee unerläßlich war, wurdebesetzt und gesichert. Für eine energische Verteidigung der Nehrungfehlten die hinreichenden Kräfte.

Erleichtert wurde die Verteidigung dadurch, daß die Niederungim Süden, Südosten und Osten des Platzes durch künstliche An-stauung unter Wasser gesetzt werden konnte, und der Angriff dahernur im Westen gegen den Bischofs- und Hagelsberg möglich war.

Am 20. März glückte es den Franzosen, die Weichsel zu über-schreiten und die Nehrung zu nehmen, deren Besatzung teils aufDanzig, teils auf Pillau zurückwich. So ging die wichtige Land-verbindung verloren. Nur die zur See blieb noch übrig.

Zunächst begnügten sich die Belagerer damit, in den engenRaum zwischen Holm und Weichselmünde einzudringen und dorteine Schanze aufzuwerfen, welche den Weichselstrom beherrschte undden Wasserverkehr mit der Festung auf die Nachtstunden beschränkte.Sie behaupteten sich auch gegen lebhafte Angriffe der Ver-teidiger. Dann aber schritten sie zur Wegnahme des Holms selbst.Als sich die russische Besatzung in der Nacht zum 7. Mai durchdie vom linken Ufer der Weichsel her auf Booten erscheinendenFranzosen überraschen ließ, rächte es sich, daß sich kein wirklichfester, mit stürmender Hand nicht ohne weiteres zu nehmenderStützpunkt auf der Insel befand. Sie ging unter großem Verlustan Geschütz und Mannschaft verloren. Nun konnte sich der Ringder Belagerer um den Platz herum schließen, was bis dahin nichtmöglich gewesen war. Danzigs Lage wurde bedenklich.

Das Belagerungskorps hatte mittlerweile eine Stärke von23 000 Mann erreicht, die es später noch um einiges überschritt.Das Belagerungsgeschütz war von Thorn und Stettin heran-gekommen; seit dem 24. April schon stand es im Feuer gegen dieFestung, die Laufgräben waren eröffnet. Napoleon leitete vonFinkenstein aus den Angriff in großen Zügen persönlich. MarschallLefebvre wählte den Hagelsberg, der in dem preußischen MajorHorn einen unerschrockenen und umsichtigen Verteidiger fand,als erstes Ziel. In dem Ingenieur vom Platz, Leutnant Pullet,stand diesem ein trefflicher Gehilfe zur Seite. Ebenso unterstützten