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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Verlust des Holms. Angriff auf den Hagelsberg

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die in Danzig anwesenden höheren Jngenieuroffiziere GeneralLaurenz und Major Bousmard kräftig und erfahren die Gegen-wehr, bis beide während der denkwürdigen Belagerung den Helden-tod starben.

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Daß der Fall der Festung nur eine Frage der Zeit sein konnte,wenn nicht Hilfe von außen kam, konnte keinem Zweifel unterliegen.

Diese Einsicht brach sich auch im Hauptquartier der Ver-bündeten Bahn, und es wäre nur zu wünschen gewesen, daßschnelles und energisches Handeln folgte.

Kaiser Alexander hatte die russischen Garden zur Armee ab-rücken lassen, die 17. und 18. Division sollten von Moskau undKaluga folgen, Reservemannschaften die im Felde stehenden Truppenwieder auffüllen. Er selbst war zu seinem Heere vorausgeeilt undbefand sich mit König Friedrich Wilhelm bei Bennigsen in Barten-stein. Ein Entsatzversuch über die Nehrung wurde beschlossenund der energische und umsichtige Graf Kamenskoi zum Führerbestimmt. Der preußische Major v. Rauch wurde ihm alsGeneralstabsoffizier beigegeben. 8000 Mann aller drei Waffenversammelten sich bis zum 1. Mai bei Königsberg, wo KönigFriedrich Wilhelm III. sie besichtigte. Am 4. Mai überschritt dieAvantgarde bei Pillau das Tief, welches Haff und See verbindet.

Der Gedanke, längs der Nehrung vorzugehen, war gut. Trotzeiniger Erschwernis durch tiefen Sand war der Marsch sehr wohlausführbar. Düuen und Wald hätten ihn zum größten Teileverborgen. Bewaffnete Fahrzeuge der Verbündeten beherrschten dieGewässer rechts und links; der Feind hätte nicht erfahren, wasvorging; die ganze Expedition wäre ihm überraschend gekommen.Erst wenn diese die sogenannte Danziger Nehrung betrat und dieschmale Landzunge der Frischen Nehrung verlassen hatte, konntesie den Spähern des Feindes nicht mehr entzogen werden. Dannwar aber nur noch ein einziger starker Marsch bis Danzig zurück-zulegen. Gemeinsames Handeln mit der Garnison wäre durchnichts behindert gewesen. Der Weichseldurchbruch bei Schieven-horst, der heute die Nehrung durchschneidet, bestand damalsnoch nicht.

Vor allen Dingen war man hier Herr seiner selbst und hingnicht von Wind und Wellen ab, wie bei einer Fahrt über See,