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II. Der Krieg von 1806 und 1807
und dies war um so wichtiger, als die Lage der Verteidiger schonEile gebot.
Dennoch trat noch im letzten Augenblick eine Änderung ein;der Marsch wurde aufgegeben, Kamenskoi sollte zu Schiff nachNeufahrwasser gehen und dort landen, während über die Nehrungnur eine schwache Abteilung von 2500 Mann unter Oberstv. Bülow vordrang. Wenn solche plötzlichen Abänderungen wohl-vorbereiteter Unternehmungen im letzten Augenblicke der Ausführungmeist schon Verwirrung und Mißlingen nach sich ziehen, so kamhier noch die Trennung der Kräfte in zwei Gruppen hinzu, diesich überdies nicht einmal in Verbindung halten konnten. Dennochwar mit der neuen Anordnung einem Wunsche des am meistenBeteiligten, nämlich Kalckreuths, entsprochen worden.
Der erste Zwischenfall war, daß Kamenskoi wegen schlechtenWetters nicht anslaufen konnte. Die Hiobspost vom Verluste desHolms machte die Verzögerung doppelt peinlich. Erst am 12. Mailangte die Transportflotte auf der Rhede von Neufahrwasser anund war selbst dann noch nicht einmal vollzählig.
Napoleon fühlte deutlicher als die Verbündeten, daß einVersuch zur Rettung Danzigs kommen müsse, aber er er-wartete ihn von der verbündeten Hauptarmee. Erst als diese sichgar nicht ernsthaft rührte und dafür das Erscheinen der großenFlotte bei Neufahrwasser gemeldet wurde, ließ er die bei Marien-burg bereitgestellte Division Oudinot nach Danzig abrücken undwar dort nun seiner Sache sicher. Seinem unausgesetzten Drängenauf Beschleunigung des Angriffs war von Lefebvre in den Nächtenzum 9. und 10. Mai durch energische Versuche gegen den Hagels-berg entsprochen worden. Sie scheiterten indessen beide Male ander standhaften Verteidigung des dort angelegten Blockhauses.
Graf Kamenskoi hatte in der Erkenntnis, daß schnelle Hilfenot tue, den Plan gefaßt, am linken Weichselufer von Neufahr-wasser über Langfuhr geradeswegs in die Flanke der französischenAngriffsarbeiten vorzugehen. Es sollte dies schon am 14. statt-finden, aber ein schwedisches Linienschiff mit 1200 Mann fehltenoch, und der Aufschub bis zum 15. wurde nötig. Leider führtedies wieder eine Abänderung herbei. Graf Kalckreuth hielt denFeind auf dem von Kamenskoi gewählten Wege für zu stark undverlangte einen Vorstoß am rechten Ufer. Dazu mußte erst uochdie Weichsel von Neufahrwasser her überschritten werden, und das