Völlige Niederlage der Russen
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abwechselnd 50—70 Meter breite und meist ziemlich tiefe Pregelgewährte der Verteidigung einen ansehnlichen Halt. Bald aberüberzeugte sich Bennigsen davon, daß sein Heer zu einem neuengroßen Kampfe vorerst nicht mehr fähig war. Ohne gedrängt zu sein,verließ er daher schon in der Nacht zum 16. die Flußlinie undsetzte den Rückzug zunächst auf Mehlauken fort. Es war der fünfteNachtmarsch, den er in ununterbrochener Reihenfolge ausführte.
Diese Eile war ein Akt der Kopflosigkeit; denn auf alle Fällehätte sich dem Feinde am Pregel einiger Aufenthalt bereiten lasfen.Überdies wurde das Korps L'Estocq in Königsberg durch denüberstürzten Weitermarsch förmlich preisgegeben.
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L'Estocq stand am Tage von Friedland hinter dem Frischingsüdlich Königsberg, ohne von dem, was an der Alle vorging,Kenntnis zu haben. An eine Schlacht dachte er im Augenblickesicherlich nicht; denn kein Anlaß war dazu gegeben.
Am 15. Juni war er im Begriff, in eine näher an der Stadtgelegene Stellung zurückzugehen, als der Anmarsch zweier starkerfeindlicher Kolonnen von Kreuzburg ^- Soult — und von Pr.-Eylau — Murat und hinter ihm Davout — gemeldet wurde.Unnötig zögerte er mit dem Abziehen hinter die Wälle, und sokam es noch zu kleinen Unfällen und Verlusten, die sehr wohlhätten vermieden werden können.
Rüchel, der nun den Befehl übernahm, ließ indes die Wällebesetzen und traf Anstalten, die Stadt und die Pregellinie zuverteidigen. Bis nach Taplacken hinauf standen einzelne Ab-teilungen, um einen Übergang des Feindes zu verhindern.
Deutlich wurde im weiteren Verlaufe des 15. Juni fühlbar,daß der Feind sich vor der Stadt schwäche. Gerüchte vom Ab-märsche französischer Truppen pregelaufwärts verbreiteten sich.Tatsächlich rückten auch Murat und Davout infolge der Befehle,die der Kaiser tags zuvor vom Schlachtfelde gegeben hatte, zurAlle ab. Nur Soult blieb vor Königsberg und wagte es nicht,die Befestigungen anzugreifen. In der Stadt schloß man aus denletzten Beobachtungen schon auf eine Niederlage Napoleons . Dakam um die Mittagszeit die Schreckenskunde von der verlorenenFriedländer Schlacht. Die Lage wurde dadurch eine höchst kritische.Es fragte sich, ob man Königsberg aufgeben, oder mit dem