Druckschrift 
1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
Seite
175
Einzelbild herunterladen
 

Abmarsch des L'Estocqschen Korps nach Tilsit

17S

sich bei Eylau so hervorgetan, wurden davon ergriffen. Der Nacht-marsch vermehrte die Unordnung und Auflösung.

Diese Hast war indes gar nicht geboten. Soult hatte beiKönigsberg am 15. nichts mehr unternommen. Erst am 16. rückteer in die von den Verteidigern verlassene Hauptstadt ein, und seineKavallerie solgte beobachtend den preußischen Vorpostenbrigaden,die die Nachhut bildeten. Reiche Vorräte, die das verbündete Heerhätte ausnutzen können, fielen in seine Gewalt, und er meldeteeilig über den willkommenen Fund an den Kaiser. Auf dessenBefehl schloß er dann Pillau ein und hielt sich im übrigen füranderweite Verwendung bereit.

Murat und Davout hatten auf ihrem Marsche pregelaufwärtsnoch am 15. die Nachricht vom Siege von Friedland erhalten.Davout ließ am folgenden Tage seine Kavallerie den Fluß durch-furten und überschritt ihn mit den anderen Truppen auf Kähnen.Murat eilte weiter nach Wehlau. Dort war es am 16. Juniabends geglückt, drei Kilometer oberhalb der Stadt, eine Brücke zuschlagen und das Korps Victor hatte mit dem Übergange begonnen,dem Lannes und Mortier folgten. In Wehlau befand sich auchder Kaiser. Dieser hatte, wie es so oft nach einem glänzendenSiege geschieht, die Fühlung mit der geschlagenen russischen Armeeverloren. Er nahm an, daß deren Rückzug pregelaufwärts gerade-wegs gegen die russische Grenze gehen werde. Gerüchte darüberwaren zu ihm gedrungen, und nach der geographischen Gestaltungdes Landes hielt er sie für wahrscheinlich. So gab er Murat denBefehl, mit dem größten Teil seiner Reiterei am rechten Flußuferdie Richtung auf Jnsterburg einzuschlagen. Dorthin war auch Neyvon Friedland aus vorgegangen. An einen Memelübergang derVerbündeten bei Tilsit dachte er zunächst nicht. Erst am 17. Junium 11 Uhr vormittags wandte sein Blick sich dorthin.

Gefahr drohte also den Verbündeten bis dahin gar nicht.Die auflösenden Nachtmärsche hätten unterbleiben können. Siekosteten das Heer mehr Menschen, als ein Kampf. Mit Nacht-märschen hat es seine eigene Bewandtnis; sie wirken verschieden,und ihr Einfluß muß ganz nach den Beweggründen, aus denensie hervorgehen, beurteilt werden. Osman Pascha zog im Juli 1877in Nachtmärschen von Widdin bis Plewna . Allein auch der letzteSoldat seines Korps begriff, daß dies eine Wohltat für ihn seiim Vergleich zu einem Marsche in glühender Sonne über das