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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Neuordnung der Verwaltung

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1810. Auf den königlichen Domänen war die Bauernbefreiungfchon vor dem Kriege begonnen worden, und eine nicht geringeZahl adliger Großgrundbesitzer folgte damals freiwillig diesemBeispiel.

Die künftige Staatsverwaltung sollte durch vier Ministeriengeleitet werden, die Kabinettsregierung aber aufhören. Den wich-tigsten Einfluß wollte Stein in den Händen des Ministers desInnern und der Finanzen vereinigt wissen, der zugleich die all-gemeine Leitung der Geschäfte übernehmen sollte. Dazu kam dasKriegsministerium, das Ministerium des Auswärtigen und das Justiz-ministerium. So sollte auf der einen Seite dem Könige gegenübermehr Freiheit, auf der anderen mehr Verantwortlichkeit hergestelltund dabei in den großen Gruppen der Verwaltung mehr Einheit-lichkeit geschaffen werden. Ein Staatsrat hatte für diese im ganzenGebiet der Monarchie zu sorgen. Er ward zunächst durch diesogenannte Generalkonferenz der Minister vertreten, in der Steinden Vorsitz übernahm.

Als Provinzialbehörden traten die Oberpräsidien und Re-gierungen an Stelle der alten Kammern. Ihr Amt war es, diemöglichst einfache und lebendige Verbindung zwischen den Mini-sterien und den unteren Behörden herzustellen. Diese wieder solltenin enger Verbindung mit dem Volke stehen, dessen wirklichen Be-dürfnissen Genüge leisten und jedes Losreißen der Verwaltungvom Volksleben verhüten. In den Gemeinden sollte die Selbst-verwaltung voranstehen, in den Regierungen Vertreter des Bürger-tums sitzen. Der ^wichtigste Schritt nach dieser Richtung wardie neuentworfene Städteordnung. In der Person des Königs-berger Polizeidirektors Frey fand Stein hierbei einen trefflichenBerater. Dieser Mann war längst ein erklärter Gegner des bis-herigen Zustandes gewesen, bei demdie Verwaltung mit Ausschlußaller bürgerlichen Mitwirkung fremden Invaliden, juristischen Rou-tiniers und Schreibern übergeben worden". Jetzt kam der Starke,der seinen Gedanken praktisches Leben verlieh. Auch an eineVolksvertretung, au Umgestaltung der Jugenderziehung und desUnterrichtswesens dachte Stein. Seine Pläne wurden vom Königeam 24. November 1808 genehmigt, die Ausführung aber bis zurRückkehr nach Berlin verschoben. Er selbst sollte diese nicht mehrzu leiten haben, denn mittlerweile erfolgte sein Sturz.

Eine Verstimmung, die zwischen Stein und dem Königspaare