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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Friedrich Wilhelms III. schwierige Lage. Wagram 199

trauen und dem ungestümen Drängen der Seinen war eine äußerstschwierige. Aber dieselben Eigenschaften, die ihn mit einem großenTeile der Schuld an der Niederlage Preußens belastet hatten, rettetendiesmal ihn und sein Land. Hätte er losgeschlagen, so wäre er mitÖsterreich unterlegen und weder dieses, noch auch Rußland oder garEngland hätten sich die Mühe gegeben, Preußen bei einem allgemeinenUmschwünge wieder aufzurichten, wenn es vorher von der Landkarteverschwunden war. Seine Zukunft hing jetzt davon ab, ob es beimEintreten des Rückschlages in Napoleons Schicksal noch als eineselbständige Macht bestand, mit der die anderen rechnen mußten.Kein Monarch von einigem Temperament hätte 1809 der all-gemeinen Strömung widerstanden; das war nur dem skeptischen,schwer an einen Erfolg glaubenden, immer zweifelnden und zögern-den Gemüte des Königs möglich. Der Ausgang des österreichischenKrieges sollte ihm binnen kurzem recht geben.

Er hatte die Bedeutung des Tages von Aspern richtig ein-geschätzt, als er darin nur einen abgewiesenen Angriff und keinenentscheidenden Sieg sah, so schwer auch Napoleons Verluste waren.Tatsächlich hatte Erzherzog Karl es nicht gewagt, seinen Erfolg auszu-nutzen. Beide Gegner zogen Verstärkungen in der Nichtun'g auf Wien heran. Nicht nur darin aber, sondern auch in der Versammlungder erreichbaren Truppen zur neuen Schlacht zeigte sich Napoleon als der größere Meister. Während es ihm gelang, den in Italien siegreich gewesenen Erzherzog Johann mit seinem Heere auf denweiten Umweg über Komorn abzudrängen, rief er den bei Fontanafredda und Sacile in Oberitalien geschlagenen Vizekönig Eugen aufdem geraderen Wege über Brück früher zu sich. Zu dem nunfolgenden Entscheidungskampfe war er imstande, bis auf 30000Mann, alle seine Kräfte zu vereinigen. So war er den Öster-reichern bedeutend überlegen, als er am 4. Juli abends vonder Lobauinsel aus neuerdings den nördlichen Donauarm über-schritt und am 5. und 6. den Erzherzog Karl bei Wagram angriff.Erst am Abend des zweiten Tages näherte sich Erzherzog Johann .Ein anderes Korps blieb untätig bei Korneuburg nahe auswärtsan der Donau stehen. Inzwischen hatte Erzherzog Karl die überausblutige Schlacht in den ersten Nachmittagsstunden bereits ab-gebrochen, um einer Niederlage zu entgehen und weiter rückwärtsdie noch fehlenden Verstärkungen heranzuziehen. Er wandte sichnach Znaim hin, um sich auf Böhmen zu stützen, da Mähren