Druckschrift 
1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
Seite
202
Einzelbild herunterladen
 

202

III. Die Wiedererhebung

voraus, wurden nur von einem kleinen Kreise ganz verstanden.Hardenbergs Gedanken lagen näher an der breiten Heerstraße desZeitalters der Revolution; darum fand er in der Presse jederzeiteine lebhafte Unterstützung, deren Stein immer entbehrte." Imgroßen Ganzen war er der richtige Mann für die schwierigen Zeiten.Sie erforderten ein vielgewandtes, nicht immer offenes, klug ge-wählte Umwege und eine versteckte Handlungsweise keineswegs ver-schmähendes, Verfahren. Auch seine bureaukratischen Neigungenwirkten in der Zeit der allgemeinen Verwirrung nicht ungünstig;sie gaben in dem Meere von Zweifeln, in dem sich alle Beamtenbewegen mußten, wenigstens einigen sicheren Anhalt. Mit einermeistenteils glücklichen Hand steuerte Hardenberg das schwacheStaatsschiff durch die klippenreiche Brandung der großen Politikvon 1812 und 1813, in dem eine stärkere als die seine es vielleichtan einem Felsen hätte zerschellen lassen.

Sein erstes Verdienst war die Regelung der Finanzen. Aberer baute auch die Steinschen Refornrpläne nach seiner Art weiteraus und gab im Jahre 1811 durch eine erste Tagung von No-tabeln dem Volke die Hoffnung auf künftige tätige Beteiligung ander Leitung der Staatsgeschäfte. Dessen Vertrauen zur Regierungbegann allmählich zu steigen.

-5. M2

Der neue Krieg stand deutlich in Sicht. Napoleon war vonRußlands Haltung im Jahre 1809 unbefriedigt. Nicht minderreizte ihn die lässige Handhabung der Festlandssperre im Zaren-reiche, dessen Handel Kaiser Alexander nicht zu tiefe Wundenschlagen wollte. Eine Hinneigung zu dem besiegten Österreich , vondem er fortan treue Gefolgschaft erwartete, machte sich bei demImperator fühlbar. Durch die Heirat mit der Erzherzogin MarieLuise, die er an Stelle der verstoßenen Josephine zur Gemahlinerhob, verknüpfte ihn außerdem ein verwandtschaftliches Band mitdem Wiener Kaiserhause, auf das er großen Wert legte. War erdoch von der Besteigung seines Thrones ab unausgesetzt bemüht,seiner Herrschaft die nötige Beimischung von Legitimität zu geben.Vor allen Dingen aber drängte ihn der unbändige Trieb nach derAlleinherrschaft in der europäischen Kulturwelt zum Entscheidungs-kampfe mit Rußland .