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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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III. Die Wiedererhebung

verlangte Napoleon offen die Abrüstung, die Entlassung der Krümper,die Verabschiedung Blüchers, von dem er im Augenblicke am ehesteneine energische Tat befürchtete, und alle diese Forderungen mußtenunter dem Drucke der Not erfüllt werden. Dann kam das Ver-langen eines rückhaltlosen Schutz- und Trutzbündnisses, das Preußens militärische Kraft ohne Einschränkung den französischen Interessendienstbar machen sollte. Eine Entscheidung war dringend und schnellerforderlich. Der König entschloß sich, dem allgemeinen Wunscheseiner Umgebung, ja der Mehrheit seines Volkes zu widerstreben, unddieser Entschluß ward dem Lande zum Heil. Nur wenn Öster-reich am Kampfe an Preußens Seite teilnehmen wollte, hielt ereinen Erfolg für möglich; doch Österreich schwieg vollkommen undließ sich zu keiner verpflichtenden Äußerung herbei. So ward am24. Februar 1812 das von Napoleon verlangte Bündnis mitFrankreich abgeschlossen. Preußen hatte danach 20 000 Mann mit60 Geschützen gegen Rußland zu stellen, den französischen Heerenden Durchmarsch zu gestatten und sie während desselben zu er-nähren. Ohne Recht und Vertrag besetzte Napoleon außerdem dieFestungen Spandau und Pillau . Den Freunden des Vaterlandesschwand die letzte Hoffnung. Eine Reihe hoher und niedererOffiziere verließ den Dienst, um nicht gegen den alten Bundes-genossen kämpfen zu müssen.Preußen hat sich so urteilteStein wehrlos und gebunden den Händen seines Feindes über-liefert, bereitet mit eigenen Händen sein Grab und sieht dem Kanipfleidend und mit Schande entgegen." Blücher sah nicht nur allesaußer der Ehre verloren, sondern auch die Ehre mit. Diese Em-pfindungen sind nur allzu verständlich.

Dennoch war des Königs Tat ein Akt vorsichtiger Klugheit,den ihm freilich nicht nur sein Urteil, sondern auch sein ganzesTemperament eingegeben hatten. Diesmal war es fast ausschließ-lich sein Verdienst, daß Preußen gerettet wurde. Nur in demStaatskanzler fand er eine ermutigende Stütze.

Von denen, die ihn verließen, ging Gneisenau ins Ausland,um gegen Frankreich zu schüren, andere retteten sich nach Rußland und Spanien. Clausewitz schrieb die berühmtenBekenntnisse",in denen er sein und seiner Freunde Verhalten rechtfertigte. Siesind ein denkwürdiges Zeugnis des in jenen Männern herrschendenIdealismus. Unumwunden erkannte er an, daß die öffentlicheMeinung mit wenig Ausnahmen die Unterwerfung unter Frankreichs