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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
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205
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Bündnis mit Frankreich. Clausewitz ' Bekenntnisse Lg 5

Willen für unvermeidlich ansah. Aber er erklärte sie für eineSchmach. Er sagte sich los von der leichtsinnigen Hoffnung aufErrettung durch einen Zufall, von dumpfer Erwartung der Zukunft,von der kindischen Hoffnung, den Zorn eines Tyrannen durchfreiwillige Entwaffnung zu beschwören, von unvernünftigem Miß-trauen in die eigene Kraft, von sündhafter Vergessenheit der Pflichtengegen das allgemeine Beste, von der schamlosen Aufopferung allerEhre des Staates. Er erklärte zu glauben, daß ein Volk nichtshöher zu achten habe, als die Würde und Freiheit seines Daseins.Er warnte davor, durch das Gift der Feigheit im Blute des Volkesauch die Kraft nachwachsender Geschlechter zu untergraben. Erwies darauf hin, daß ein Volk in dem großmütigen Kampfe umseine Freiheit meist unüberwindlich sei, und daß selbst der Unter-gang nach einem blutigen und ehrenvollen Kampfe die Wiedergeburtdes Volkes sichere.

Auf dem heiligen Altare der Geschichte lege ich dieses leichteBlatt nieder in dem Vertrauen, daß, wenn der Sturm der Zeit eshinweggeweht, einst ein würdiger Priester dieses Tempels es sorg-fältig aufheben und in das Jahrbuch des vielbewegten Völkerlebenseinheften werde. Dann wird die Nachwelt richten und von demVerdammungsurteil die ausnehmen, welche dem Strome der Ver-derbtheit mutig entgegengerungen und das Gefühl der Pflicht treuwie einen Gott im Busen bewahrt haben."

Diese schönen Worte, die wir ebenso hoch stellen, als dasandere von Clausewitz :Des Krieges bedarf mein Vaterland" sindnicht nur ein Denkmal jener merkwürdigen Zeit der beginnendenWiedererhebung Preußens , sondern sie sind auch an die Gegenwartgerichtet, um sie an die Größe der Väter zu erinnern und zurNacheiferung zu mahnen.

Zum Schluß war noch eine Stelle aus Friedrichs des Großenhinterlassenen Werken hinzugefügt:Gewiß, ich kenne den Wertder Ruhe, die Annehmlichkeit der Gesellschaft, die Freuden desLebens; auch ich wünsche, glücklich zu sein wie irgend jemand. Sosehr ich aber diese Güter begehre, so wenig mag ich sie durchNiederträchtigkeit und Wehrlosigkeit erkaufen. Die Philosophie lehrtuns, unsere Pflicht zu tun, unserem Vaterlande selbst mit unseremBlute treu zu dienen, ihm unsere Ruhe, ja unser ganzes Daseinaufzuopfern."

König Friedrich Wilhelms HI. zähe Geduld und Zurückhaltung,