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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Das Gefecht von Möckern

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bündeten von Dresden trennen könnten, dessen Behauptung ihnenmit Rücksicht auf die Beziehungen zu Österreich von großer Wichtig-keit war. An der Zwickauer Mulde blieb Blücher daher einst-weilen stehen. Zu seiner Rechten rückte Miloradowitsch, derihm gleichfalls unterstellt worden war, von Glogau her mit12 500 Mann heran. Weit zurück war noch die sogenannte Haupt-armee, die übrigens zurzeit nur aus 17 000 Mann unter Tor-massow bestand. Der Ausfall an Truppen, der dadurch entstand,war also nicht bedeutend, beschwerlich wegen des weiten Wegesaber die gesamte Befehlsführung, der die Zersplitterung der Kräfteund das Schleppende in allen Bewegungen zuzuschreiben ist. InKalisch herrschte die Meinung, daß Napoleon nicht vor dem 20. Maizum Aufbruch fertig sein könne. Das hätte ein Grund sein sollen,um schnell und energisch zu handeln, führte aber gerade das Gegen-teil herbei. Nach großen kriegerischen Anstrengungen und glücklichüberstandenen Gefahren Pflegt sich eine Abspannung geltend zumachen. Dies war augenscheinlich auch nach der Krisis von 1812bei den Russen der Fall. Erst am 7. April brach die Haupt-armee von Kalisch auf, überschritt am 14. bei Steinau die Oderund hielt am 24. ihren feierlichen Einzug in Dresden . Der alteKutusow war auf dem Vormarsch in Bunzlau krank zurückgelassenworden und starb bald danach.

Auch der Vizekönig war nicht bei Magdeburg verblieben. Erglaubte den Anmarsch der Verstärkungen aus Frankreich , der überden Main gegen Erfurt ging, sichern und sich geradeswegs davoraufstellen zu müssen. Deshalb rückte er mit etwa 50 000 Mannzunächst an den Nordfnß des Ostharzes bei Ballenstedt ab. Inund nahe Magdeburg blieben an der Elbe nur 11000 Mannzurück. Viktor besetzte mit 5000 Mann die untere Saale beiKalbe und Bernburg .

Die Wolken begannen sich zusammenzuziehen; eine Entladungkonnte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Unmöglich wares, mit den verhältnismäßig schwachen Kräften der Verbündeten inder aus dem Vormarsch sich ergebenden weiten Trennung zu ver-harren. Zwei Dinge schienen möglich. Blücher konnte zu Wittgen-stein abmarschieren, um einen gemeinsamen Angriff auf den Vize-könig zu unternehmen, oder Wittgenstein konnte sich Blücher nähern,um mit ihm vereint die frisch aus Frankreich anrückenden fran-zösischen Streitkräfte zu schlagen, ehe sie vereint waren. Dem

Frhr, v. d. Goltz , Kriegsgeschichte 16