Druckschrift 
1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
Seite
242
Einzelbild herunterladen
 

242 IV- Die Befreiungskriege

ersten widersprach Blücher auf Scharnhorsts Rat, zum zweiten warendie Kräfte zu gering, denn ein Teil derselben hätte dem Vizekönigegegenüber stehen bleiben müssen, um ihn festzuhalten. Schon wurdeBertrands Anrücken mit vier Divisionen aus Italien bekannt.Ney befand sich mit einem starken Korps im Vormarsch auf Erfurt .Napoleons gesamte Streitmacht wurde auf 150 000 Mann ge-schätzt.

Im großen Hauptquartier führte tatsächlich Kaiser Alexanderden Oberbefehl, beraten durch den General Grafen Toll, einennoch jungen aber begabten und kriegserfahrenen Mann von weitemBlick, der auch fernerhin den größten Einfluß auf die Leitung derHeere behielt. Toll riet zur Versammlung aller Kräfte bei Alten-burg, da der Kampf zwischen Saale und Elbe gewagt werdenmüsse, um die Elblinie nicht aufzugeben und Sachsen nicht ver-loren gehen zu lassen. Der Zar verlangte darüber Wittgensteins und Blüchers Meinung. Zu beiden eilte Toll, und es gelangihm, sie zu überzeugen. Unterdessen kam die Nachricht von NeysEintreffen bei Weimar, und Toll kehrte nach Dresden zurück. Dorttraf er wunderlicherweise alles in tiefer Ruhe, den eigentlichen Chefdes Generalstabes, Fürsten Wolkonski, krank und den Kaiser vonRußland nach Teplitz verreist. Energisch suchte er die Geisteraufzurütteln, denn die Gefahr stand vor der Tür.

In der Tat war Napoleon , auf die Nachricht von Wittgen-steins Elbübergang und dem Eintreffen der russischen Hauptarmeebei Kalisch, am 15. April von St. Cloud aufgebrochen und am 17.nach vierzigstündiger Reise in Mainz eingetroffen, wohin die Gardeund das Hauptquartier vorausgegangen waren. Die Stärke der Ver-bündeten links der Elbe schätzte er richtig auf 6070 000 Mann,also dem eigenen Heere weit unterlegen, und er wollte nicht eineMinute mehr verlieren. Bereit zum Angriff waren zurzeitNey mit 45 000 Mann, Marmont mit 26 000, Bertrand mit27 000, Oudinot mit 23000 und die Kaisergarde unter Mortiermit 12000, so daß die Hauptarmee über 130000 Mann zählte.Außerdem stand Davout mit 30000 Mann an der unteren Elbe,und der Vizekönig am Ostharz, der unteren Saale und bei Magde-burg mit 66 000 Mann. Berthier übernahm auch diesmal dieFunktionen des Hlajor A6o,6ra1 der Armee.

Nicht ohne Bewunderung überblickt man, was der Kaiser inder kurzen Zeit nach der Katastrophe geschaffen hatte, ein Heer