Stimmung und Zustand der Heere
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können als bisher geschehen war. Wären sie schneller und ener-gischer über die untere Elbe vorgedrungen, um die Volkserhebung,die jetzt kläglich hatte scheitern müssen, dort kräftig zu entflammen,so würde er zum Ausbiegeu auf Hannover gezwungen worden seinund hätte zunächst die Elbe überhaupt nicht erreicht. Aber auchso war ihr Vorrücken bis zur Saale störend geworden. Siemußten erst beseitigt werden. Des Kaisers Entschluß war deshalbnunmehr, auf Leipzig zu marschieren, sich dieser großen Stadt undihrer Hilfsmittel zu bemächtigen und zugleich den Punkt zu er-reichen, an dem sich die wichtigsten Straßen Mitteldeutschlands vereinigten. Dort stand ihm noch die Wahl frei, ob er weiter aufDresden oder Berlin operieren sollte.
Seinem Grundsatze getreu, „stets in Masse vorzubrechen",ordnete er zunächst die Versammlung des ganzen Heeres an derSaale an. Auch Eugen sollte mit seinen Hauptkräfteu dorthinheranrücken und dann die Richtung über Merseburg einschlagen.Er selbst wollte über Weißenfels vorgehen. Am 24. April verließer mit diesen Plänen Mainz und war am 25. in Erfurt . Andemselben Tage bildete seine Armee in der Vorwärtsbewegunggleichsam drei Gruppen. Rechts ging Bertrand auf der uns von1806 her wohlbekannten Straße über Saalfeld vor, in der Mitteüber Erfurt und Weimar Ney, Marmont und die Garde. ZurLinken kam der Vizekönig mit einer Gardedivision, LauristonMacdonald und dem ersten Kavalleriekorps vom östlichen Harzheran.
Drüben bei den Verbündeten stand Wittgenstein hinter Halle ;Blücher war bis nach Altenburg und Borna vorgerückt, Milorado-witsch bis Chemnitz gekommen. Die Hauptarmee befand sich nochin und bei Dresden . Am 27. April übernahm Wittgenstein denOberbefehl, und der an Jahren und Dienstzeit ältere Blücherordnete sich ihm im Interesse der gemeinsamen Sache gern undfreiwillig unter.
Die französische Armee rückte weiter an die Saale heran undschloß in sich mehr und mehr auf. Am 29. erschien der Vizekönigvor Merseburg und nahm die Stadt. Ihre Besatzung ging nachtapferem Widerstände östlich zurück. Auch Halle wurde geräumt,und Lauriston, der tags zuvor, im Anblick der festen und sicherenHaltung der Preußen, den Angriff nicht gewagt hatte, ließ esnunmehr besetzen. Über Weißenfels kam Napoleon heran, um am