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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

stand, drohte mit einem Anschlage auf diese Stadt. Rittmeisterv. Colomb streifte mit dem Jägerdetachement des BrandenburgischenHusarenregiments und Lützow mit seinem gemischten Parteigänger-korps in Thüringen . Sie nahmen Geschütze, Fahrzeuge, Vorräte,hoben Gefangene in größerer Zahl auf, veranlaßten deutsche Ab-teilungen im französischen Dienste zum Übertritt und hatten begonnen,dergroßen Armee" ernsthaft gefährlich zu werden. Klarheit undRuhe in deren Rücken mußten wiedergewonnen werden. Daswar nur durch eine Unterbrechung im Gange des großen Kriegeszu erreichen. Es gelang auch, das Lützowsche Korps auf demRückmärsche zur Neutralitätszone in trügerische Sicherheit zuwiegen und am 17. Juni bei Kitzen in der Nähe von Leipzig zuüberfallen ein Schlag, von dem es sich trotz verstärkten Zu-laufs nicht wieder erholt hat.

Der politische Zweck, Österreich durch eine größere Macht-entfaltung vom Beitritt zum Bündnis gegen Frankreich abzuhalten,sowie die Rücksicht auf die Stimmung in Frankreich , wirkten gleich-falls auf vorläufige Waffenruhe hin und hatte des Kaisers Ent-schluß reifen lassen. Wäre er noch der Napoleon von 1805 ge-wesen, so hätte er ihn vielleicht trotz alledem verworfen.

Tatsächlich ist der Stillstand den Verbündeten mehr als ihmzugute gekommen. Sie hatten aus den Versäumnissen vom Früh-ling 1807 gelernt und waren andere geworden wie zur unseligenZeit der Bartensteiner Konvention. Der Entschluß, der sich mitvielen wichtigen Gründen rechtfertigen läßt, schlug am Ende zudes Kaisers Nachteile aus. Er selbst hat ihn später den größtenFehler seines Lebens genannt.

Vor allen Dingen war es Preußen , das die ihm gewährteFrist auf das energischste ausnutzte. Es kämpfte um die Existenzund war sich dessen bewußt. Sein Volk war erwacht und zeigtesich zu jedem Opfer bereit, wie einst zu König Friedrichs Zeiten,als es galt, die Selbständigkeit inmitten der großen Mächte zubehaupten. Die Truppen der alten Armee wurden wieder aufden ursprünglichen Stand gebracht, die Reservebataillone, die frei-willigen Jägerdetachements und die Freikorps vermehrt. Sodannaber betrieb man die Aufstellung der Landwehr in allen Pro-vinzen auf das eifrigste. Mangelhaft gerüstet, ausgebildet undgeführt, anfangs zum Teil noch mit Piken bewaffnet, gar nicht odernur ganz ungenügend im Schießen geübt, vermochte sie freilich im