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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Preußen während des Waffenstillstandes 275

freien Felde zunächst noch keine großen Dienste zu leisten. Abervor den Festungen, zu Besatzungen, zu Sicherungs- und Ver-teidigungszwecken war sie schon brauchbar und konnte überdies dasGewicht ihrer Masse in die Wagschale werfen.

Im ganzen zählte die Landwehr 149 Bataillone mit 100 000Mann, dazu 116 Eskadrons mit 10 500 Reitern. In Regimentereingeteilt, kam sie nach und nach auch als Verstärkung der Feld-armee, gemischt mit den Linientruppen, zur Geltung. Die Ständevon Ostpreußen, Pommern und Schlesien stellten außerdem dreiNational-Kavallerieregimenter mit zusammen 954 Pferden auf.

Ersatztruppen wurden gleichfalls gebildet, um fortdauerndenNachschub zu liefern. Beim Ablaufe des Waffenstillstandes hieltPreußen nicht weniger als 271000 Mann unter den Waffen,sechs Prozent seiner Bevölkerung. Das war ein Aufgebot sonder-gleichen das Ergebnis einer Anstrengung, von der ein Teil inden Unglücksjahren von 1806 und 1807 vielleicht genügt habenwürde, um die Niederlage abzuwenden, aus der die jetzigenschwierigen Umstände hervorgegangen waren.Wir haben eineArmee, wie Preußen nie, selbst in seiner glänzendsten Periode nichthatte," urteilte Gneisenau.

An eigentlichen Feldtruppen wurden vier Korps aufgestellt.Sie bestanden aus je 4 Brigaden zu 1 Linien-, 1 Reserve-,1 Landwehr-Infanterieregiment, 1 Kavallerieregiment und 1 Batterie,im ganzen 10 Bataillonen, 4 Eskadrons, 8 Geschützen. Dazu kamnoch eine Reservekavallerie von 3 Brigaden oder 20 bis 30 Es-kadrons. Nur das vierte Korps war in seiner Zusammensetzungetwas abweichend davon.

In Schlesien blieben das 1. und 2. Korps unter Jorck undKleist; das 3., Bülow, und das 4., Tauentzien, wurden in derMark gebildet. Mit den Freikorps und den nach der Unterelbeentsendeten Abteilungen zählten diese Feldtruppen an 162 000 Mann.30 600 Mann standen außerdem vor den Festungen Stettin, Küstrin ,Glogau und Danzig . Der Rest war im Lande verteilt.

Die russischen Jnfanterieregimenter waren durch den weitenVerfolgungsmarsch von der Heimat her, sowie durch den Frühjahrs-feldzug in ihrer Zifferstärke sehr herabgekommen. Manche zähltennur noch die Mannschaft einer einzigen vollen Kompagnie. Vielekonnten auch im Laufe des Sommers durch die nachrückenden Er-satzleute nur auf ein Bataillon gebracht werden. Aber Bekleidung,

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