Kriegspläne der Verbündeten
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ernsten Berührung mit dem Kaiser zu halten und sich seine Nück-zugslinie zu den schwedischen Schiffen nicht rauben zu lassen.
Es wurde angenommen, daß Österreich und die österreichischeArmee, als derjenige Gegner, der am frischesten in die Kriegs-handlung eintrat, des Kaisers nächstes Ziel sein werde. Auchpolitische Rücksichten machten dies wahrscheinlich. Deshalb sollteder größere Teil der jetzt in Schlesien versammelten russisch-preußischen Heeresmacht nach Böhmen abrücken, um die Österreicherzu verstärken. Die Monarchen wollten ihn begleiten, um demDritten im Bunde, dem Kaiser Franz , nahe zu sein. Der Ober-befehl wurde dem österreichischen Feldmarschall Fürsten Schwarzen-berg anvertraut. Bernadottes Rolle war so gedacht, daß er nurschwache Kräfte gegen die Niederelbe stehen zu lassen und zwischenTorgau und Magdeburg die mittlere Elbe zu überschreiten habe, umgegen Leipzig vorzugehen, während die schlesische Armee — der Restder in der Provinz Schlesien verbliebenen Kräfte — sich mit der Nord-armee jenseits der Elbe vereinigen würde, falls nicht ihr Abmarschnach Böhmen noch vorher nötig wurde. Die böhmische — die Haupt-armee — aber hatte sich nach den Unternehmungen Napoleons zurichten, also nach Schlesien, nach Sachsen, über Hof nach Thüringen oder gar zur Donau zu wenden. Die russische Reservearmee unterBennigsen sollte zur Oder in der Richtung auf Glogau folgen.Als allgemeine leitende Absicht galt noch die Offensive und diegegenseitige Unterstützung. „Alle koalierten Armeen werden dieOffensive ergreifen, und das feindliche Lager wird ihr Treff-punkt sein."
Selbst dieser Plan, der am 12. Juli in einem Protokoll nieder-gelegt wurde, erschien dem österreichischen Hauptquartier noch zugewagt. Dort herrschte der Geist Erzherzog Karls, der für deneinzigen ebenbürtigen Gegner Napoleons galt, und der in zweikriegswissenschaftlichen Werken seine Gedanken zum Ausdruck ge-bracht hatte. Seine Kriegführung ruhte noch auf dem Fundamentalter Methodik, sprach nicht von der Vernichtung der lebendigenfeindlichen Streitmacht und suchte die Lösung der großen Aufgabendes Krieges im Bodengewinn, im Druck auf die rückwärtigen Ver-bindungen des Feindes und in der Einwirkung des Manövers.
Einen Entwurf dieser Art hatte am nämlichen Tage — dem12. Juli — General Radetzky, Fürst Schwarzenbergs General-stabschef, dem Kaiser Franz überreicht, und dieser zollte ihm Beifall.