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IV. Die Befreiungskriege
auf Blüchers Angriff wartend. Es schien aber, als solle dieserausbleiben. Dem Befehle des Kaisers folgend, setzte sich der Marschalldaher nach Leipzig in Bewegung, um den Kampfplatz bei Liebert-wolkwitz.zu erreichen.
Schon war er so weit im Marsche, daß ein Umkehren nachdem einmal vorbereiteten Gefechtsfelde nicht mehr anging, als derAnmarsch der schlesischen Armee gemeldet wurde. Nun blieb nichtsübrig, als den Kampf weiter rückwärts bei Möckern aufzunehmen,so gut es gehen wollte.
Blücher war seit dem 14. von der Absicht der Verbündeten,Napoleon bei Leipzig „enger einzuschließen", unterrichtet. Voneinem Ausweichen war keine Rede mehr. Selbst Schwarzenbergschrieb ihm: „Die Vorteile unserer gegenwärtigen Stellung erlaubenes, an die Vernichtung der feindlichen Armee zu denken." Dasklang schon anders als früher. Blücher war also entschlossen, zumentscheidenden Angriff zu schreiten. Von den Franzosen wußte er,daß sie mit starken Truppenmassen im Heranmarsche auf der Witten -berger Straße gegen Leipzig wären. Wendete Napoleon sich am16. gegen ihn, der ihm im Augenblicke am gefährlichsten war, soerschien seine Lage nicht unbedenklich. Auf eine Unterstützung durchden Kronprinzen durfte er, wie bekannt, für den 16. nicht rechnen.Dennoch blieb er im Vorgehen.
Blücher hatte die Franzosen weiter nördlich gesucht und auf diegroße Straße von Halle nach Leipzig nur Aorcks Korps gesetzt.Die Russen, Langeron voran, dahinter Sacken und St. Priest,marschierten über Radefeld gegen Lindenthal und Wiederitzsch . Siehätten auf das 3. französische Korps stoßen müssen, aber auchdieses war von Ney bereits nach Leipzig zu des Kaisers Unter-stützung abgesandt worden. So blieb Marmont allein, konnte in-dessen im Laufe des Kampfes noch auf die nachts von Dübenabmarschierte Division Dombrowski und die KavalleriedivisionFournier rechnen, die nach Wiederitzsch herankommen sollten.
Auch Jorck hatte Befehl gehabt, von der großen Straße östlichgegen Lindenthal abzubiegen, und tat es, während seine Avant-garde unter leichtem Gefecht siegreich bis Möckern vordrang. Hierstieß sie auf festen Widerstand, und das immer lauter werdendeGeschütz- und Gewehrfeuer veranlaßte den General, dorthin einzu-schwenken. Er griff das Dorf und die stark besetzten, östlich davongelegenen Höhen an. Der Kampf wurde schnell sehr lebhaft. „Die