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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Bündnisverträge mit den Rheinbundfürsten

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Als am 9. November auch Bertrand nach lebhaftem undfür ihn verlustreichem Gefecht bei Hochheim zum Abzüge auf Mainz gezwungen war, besaßen die Franzosen am rechten Rheinufer nurnoch Wesel und die Brückenköpfe von Castel und Kehl . DieHauptarmee folgte ihnen zunächst nicht über den Strom.

Anders dachte Blücher. Er erfuhr, daß der Kaiser nur noch60 000 Mann bei sich hatte, daß am Rhein keine französischeReservearmee vorhanden sei und daß die linksrheinischen Festungennur schwach besetzt und schlecht imstande wären. Sogleich faßteer den kühnen Entschluß, ohne Zögern bei Mülheim über denRhein und auf Aachen vorzugehen, Holland von Napoleons Herr-schaft zu trennen, die Waffenfabriken von Lüttich und Namur fürseine Armee zu gewinnen und am 25. November in Brüssel zusein. Wie einst an der Elbe bei Wartenburg , so hoffte er auchhier am Rheine die Verbündeten mit sich fortzureißen.

Aber Gneisenaus Überredungskünste vermochten den Wider-stand im großen Hauptquartier der Monarchen diesmal nicht zubesiegen. Dort sehnte man sich nach Frieden. Die Arbeit hieltman nach den errungenen großen Erfolgen für getan. WeitereAnstrengungen und weiteres Blutvergießen wurde für unnötig ge-halten. Durch einen in die Gefangenschaft der Verbündeten ge-ratenen Diplomaten gingen am 10. November Friedensvorschlägean Napoleon ab. Deutschland, Holland und Italien sollten wiederunabhängig werden, Frankreich dagegen seinenatürlichen Grenzen" den Rhein, die Alpen und die Pyrenäen erhalten.

Die stille Hoffnung, daß Napoleon diese überaus günstigenBedingungen annehmen werde, die Unlust, den Krieg fortzusetzenund die von nun ab mehr und mehr hervortretende Verschiedenheitder politischen Ziele setzten dem Feuereifer des preußischen Generalsein Hindernis entgegen, das um so stärker war, als er im Anlaufedagegen allein blieb.

Dazu kam die Rücksicht auf beabsichtigte große Rüstungen inDeutschland und auf den Zustand der eigenen Truppen. Dieserschuf sogar im eigenen Lager der schlesischen Armee dem Gedankender unmittelbaren Fortsetzung des Feldzuges einen Gegner mitwichtiger Stimme. Mrck wetterte über die Unbesonnenheit, jetztschon den Rhein überschreiten und eiuen Winterfeldzug beginnenzu wollen. Sein Korps hatte von 37 700 Kämpfern nicht wenigerals 26400, also mehr wie zwei Drittel, eingebüßt, die Landwehr

Frhr, v. d. Goltz , Kriegsgeschichte 24