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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

sogar fünf Sechstel ihres ursprünglichen Bestandes. Viele Leutegingen barfuß, Schuhwerk war nicht mehr aufzutreiben. Zum Teiltrugen die Mannschaften in der Kälte noch leinene Hosen. Mäntelfehlten, obwohl man französische verwendete, wo man sie fand.Die armselige Ausrüstung der Landwehr war ganz zugrunde ge-richtet. Die Litewken vom schlechtesten Stoff und die Leinwand-tornister hatten den regnerischen Herbst nicht auszuhalten vermocht.Die Pferde waren abgetrieben, die Fahrzeuge ruiniert. Zum Teilfehlten auch schon die Waffen. Ohne Frage sah es übel aus.Aorck hatte, wenn auch der Standpunkt Blüchers der höhere war,von dem seinigen aus nicht ganz unrecht. Er gab vor, aufsschwärzeste in die Zukunft zu sehen, obwohl er in seinem uner-schütterlichen Herzen wohl niemals wirklich am guten Erfolge ge-zweifelt hat.

Die Summe dieser Widerstände gegen Gneisenaus und seinesOberbefehlshabers hochfliegende Pläne war zu groß.

Blücher, der sich schon nach Mülheim unterwegs befand, wurdezurückgerufen. Die schlesische Armee bezog bei Ehrenbreitstein,Wiesbaden, Frankfurt und Darmstadt ihre winterliche Unterkunftund löste die Öfterreicher vor Castel ab. Die Hauptarmee aberging nach Baden und Württemberg , wo sie hinter dem Oberrheinverblieb. Ein Stillstand trat ein.

Napoleon gewann die Zeit, einen neuen Feldzug vorzubereiten.

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Die sogenannte polnische Armee der Verbündeten, nämlichBennigsens Heerteil, der nach Leipzig herangerückt war, hatte denAuftrag erhalten, mit einem Teil die Nordarmee zu verstärken,mit dem anderen an die mittlere Elbe zu rücken, um eine Ver-einigung der französischen Festungsbesatzungen zu verhindern undMagdeburg enger einzuschließen, dessen Verteidiger die Umgegendverheerten. Am 8. November warf Bennigsen auch eine starke,außerhalb der Festung stehende Abteilung der Garnison unter leb-haftem Gefecht bei Schön ebeck in den Platz zurück. Dort blieb erbis zum 10. Dezember, verstärkte dann das vor Magdeburg ein-getroffene Einschließungskorps des Generals v. Hirschfeld und rückteselbst gegen Hamburg ab.

Die Nordarmee war zunächst nach Göttingen marschiert, wosie am 1. November stand. Bernadotte trug seine Pläne gegen