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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

er vollkommen bereit gewesen. Nun aber die Hauptarmee von jederOffensive Abstand nahm, wurde seine Lage unbequem. Vereinigtkonnte die große Heeresmasse der Verbündeten in dem gänzlichausgesogenen Lande an der mittleren Seine und Aube nicht langebleiben. Blüchers Rückzug in gleicher Richtung mit der Haupt-armee hätte ihn in die Kalkstaubwüste der Champagne pouilleusegeführt. Der Alte sehnte sich zudem wie immer nach Freiheit derBewegung und nach neuem Vorgehen. Vielleicht war man imHauptquartier insgeheim auch froh, den lästigen Dränger wiederlos zu werden. Am 23. Februar erhielt er die Genehmigung, sichvon der Hauptarmee abermals zu trennen, in das Gebiet nördlichder Marne überzugehen und von dort Napoleons linke Flanke undRücken zu bedrohen. Sogleich stand bei ihm der Plan fest, sichmit Wintzingerode und Bülow zu vereinigen, um dann, wennnötig, allein auf Paris zu marschieren. Eine neue Wendung kamdamit in die Führung des Feldzuges. Zum Teil aus Gründenpersönlicher Natur und aus Nebenrücksichten hervorgegangen, wardsie doch von entscheidender Bedeutung. Sie löste die Kraft, diein der schlesischen Armee lag, aus lästigen Banden und ge-stattete vor allem Blücher, die Macht seiner Persönlichkeit zurGeltung zu bringen.Ich scheue so wenig den Kaiser Napoleon ,wie seine Marschälle, wenn sie mich entgegenträten," schrieb erhocherfreut seinem Könige und brachte noch in der Nacht zum 24.seine Armee in Bewegung. Der nächste Schlag sollte Marmontgelten, dessen Eintreffen bei Sezanne Blücher erfahren hatte.Napoleon besetzte nach lebhaften nächtlichen Kämpfen zu der-selben Zeit Trotzes; die Hauptarmee wich am 24. weiter vor ihmgegen die Aube aus. Er hatte unzweifelhaft noch einmal einengroßen militärischen Erfolg errungen und eine Feldherrntätigkeitwie in den besten Tagen seiner kriegerischen Laufbahn entfaltet.Für die erreichbaren politischen Ziele aber fehlte ihm das rechteAugenmaß. Daß trotz der augenblicklichen Erfolge das beiderseitigeStärkeverhältnis einen endgültigen Sieg des erschöpften Frankreich gegen das in Waffen stehende Europa ausschloß, verhehlte er sichoder wollte es sich verhehlen. Nach seinem Siege von Champauberthatte er davon geträumt, eines Tages wieder an der Weichsel zustehen. Jetzt zog er die Zugeständnisse, die er seinem Vertreter inClMillon, Caulaincourt, freigestellt hatte, zurück und schlug denWaffenstillstand, den die Verbündeten die Schwäche hatten, ihm