Marmonts Niederlage. Blüchers Krankheit 427
angeordnet. Man glaubte, den Feind am Morgen auch vor derSüdseite von Laon schon im Rückzüge zu finden.
Darin aber hatte man sich vollkommen geirrt. Schon um9 Uhr früh ließ sich erkennen, daß der Feind auf der ganzenSüdfront zwischen Clacy und Ardon sich noch in fester Haltungden Verbündeten gegenüber befände. Der Kaiser mit seiner Um-gebung wurde in der Nähe von Clacy entdeckt. Gefangene sagtenaus, daß ein neuer französischer Angriff bevorstünde. Das allesmachte stutzig. Jorcks nächtlicher Sieg erschien jetzt in einemanderen Lichte, als man ihn in der ersten Freude gesehen hatte.Im Hauptquartier zu Laon wurde die Vermutung rege, daß dieAnnahme über die Verteilung der französischen Streitkräfte, wie mansie tags zuvor gehabt, eine falsche gewesen sei, und daß Jorck gegen-über sich nicht die Hauptmacht, sondern nur ein schwaches entsandtesKorps Napoleons befunden habe. Gneisenau machte den Vorschlag,daß Sacken und Langeron bei Laon stehen bleiben, Kleist und Jorckdie Verfolgung über Corbeny nur noch mit Kavallerie fortführensollten, bis man über des Feindes wahre Absichten klar sei. Sowurden also die vier Korps des linken Flügels im verheißungs-vollsten Augenblicke erst festgehalten und dann sogar zurückgerufen.Nachmittags erging der Befehl hierzu an Jorck und Kleist. DieSorge Gneisenaus, daß die ursprünglich bei Laon verbliebenenKräfte einen letzten entscheidenden Angriff nicht mehr siegreich aus-halten würden, war von Stunde zu Stunde gestiegen. Tatsächlicherfolgte dieser Angriff in den Nachmittagsstunden, allein er hatteeine ganz andere Bedeutung als die ihm zugeschriebene. Seit1 Uhr morgens wußte der Kaiser um Marmonts völlige Nieder-lage. Daß er Blüchers überlegene Armee nun nicht mehr schlagenkönne, war ihm klar. Ein sofortiger Rückzug aber hätte, wie errichtig einsah, nur die ganze Masse der verbündeten Truppen zumungestümen Nachfolgen veranlaßt, und dann wäre nicht abzusehengewesen, wo die Lawine zum Stillstande kommen sollte. TrotzigesStehenbleiben vor des Gegners Front erschien daher zwar als dasVerwegnere, zugleich aber auch als das bei weitem Vorsichtigere.Des Kaisers Angriffe waren also nichts als eine Drohung; sie er-reichten indes ihren Zweck und bewiesen von neuem, daß der kühnsteEntschluß im Kriege meist zugleich der beste ist.
Napoleon glaubte am Nachmittage mehrfach wahrzunehmen,daß der Feind abziehe, und erst um 4 Uhr brach sich die Erkennt-