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welche Wirkungen Blüchers Temperament ausgeübt haben würde,falls er sich am frühen Morgen bei seinen siegreichen Korps befundenhätte, den fliehenden Feind vor sich. Mochte auch er im Zimmervielleicht sich davon haben überzeugen lassen, daß Behutsamkeitgeboten sei, Haß, Zorn und Kampflust, sowie das Streben nachechter kriegerischer Größe hätten ihn draußen im Freien sortgerissen.Er wäre dem Gegner bis zur Vernichtung gefolgt, und sein mili-tärischer Blick, der Feldherrninstinkt, der, ohne sich im Augenblickdarüber Rechenschaft geben zu können, Erwägungen, Urteile undEntschlüsse in einem einzigen Gedanken zusammenfaßt, würde ihmauch den richtigen Weg gezeigt haben, um Napoleon den tödlichenSchlag zu versetzen. Heerführung ist nicht zum geringsten Teileine Temperamentssache; das sollte nie vergessen werden, und dieMacht der Persönlichkeit ist in derselben die größte wirkende Kraft.
Anerre Iss twmmss Qs saut risii; komme est tout>!"Blücher hätte unfraglich nicht nur die ganze Armee, sondern auchden überlegenden und zögernden Generalstabschef Gneisenau mitsich sortgerissen.
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Am 11. März wurde Napoleons Rückzug hinter die Aisne erkannt. Der rechte Augenblick für die vernichtende Verfolgungwar versäumt, eine glänzende Gelegenheit auf Nimmerwiederkehrverloren. Da es einmal so stand, wird es begreiflich, daß dieErwägungen der vorsichtigen Klugheit im Hauptquartier die Ober-hand gewannen. Die Zustände in der Armee waren in der Tat,wenn man Bülows und Wintzingerodes Korps ausnimmt, rechtbedenkliche geworden. Das Ruhebedürfnis machte sich energischfühlbar. Mangel herrschte überall, und dieser begann die Disziplinzu lockern. Die Klagen der kommandierenden Generale wurdenimmer lauter. Der Ungehorsam begann sein Haupt zu erheben.Es war eingetreten, was der Kenner mit dem einen Worte „Kriegs-müdigkeit" bezeichnet — ein gefährliches Ding, das schon mancheruhmreiche Armee im Siegeslaufe aufgehalten und andere gar zu-grunde gerichtet hat. Dieses Gefühl bildet eine große Gefahr, zumalfür Kulturvölker, die sich, an ein behagliches Friedensdasein gewöhnt,von den rauhen Bedingungen des Krieges entfernt haben. So-gleich fanden sich nun auch weitere stichhaltige Gründe für dieUntätigkeit ein. Von der Hauptarmee fehlten seit dem 28. Februar