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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

die Nachrichten. Nun, nachdem die schlesische Armee so viel getanhatte, sollte auch jene sich einmal regen. Das war eine gerechteForderung. Man durfte ihr nicht alle Arbeit abnehmen, wollte mansie nicht geradezu einladen, sich auch fernerhin bei der Kriegstätigkeitauszuschalten. Der politische Gedanke, daß der Friedensschluß naheund es darum weise sei, Preußen für diesen Augenblick eine mög-lichst starke Armee zu erhalten, die ihm bei den VerhandlungenGewicht verlieh, schlich sich in die besten Köpfe ein. Selbst einMann wie Boyen, Bülows Stabschef und späterer Kriegsminister,huldigte dieser Ansicht und machte seinen Einfluß in entsprechen-der Weise geltend. Er hatte schon vor Laon geschrieben:Wirddie schlesische Armee geschlagen und versprengt, was möglich wäre,so ist der Rhein verloren und ein schimpflicher Friede gewiß. Beider schlesischen Armee sind alle preußischen Truppen, und wir müssendiese dem Vaterlande erhalten." Bülow setzte die Nachschrift dar-unter:Die preußische Armee muß nicht vernichtet werden, wennPreußen eine Rolle unter den verbündeten Mächten spielen soll."Zum ersten Male waren auch die österreichischen Heerführer mitBlüchers Verfahren einverstanden, und die Entschlüsse des Haupt-quartiers der schlesischen Armee erfreuten sich eines bis dahin nichtvorgekommenen Beifalls. So kam es,daß Blücher sich hier sounähnlich wurde"; doch war es der kranke, nicht der gesunde Blücher,dem dies begegnete. Wohl nahm er noch teil an der Leitung derOperationen, aber doch ohne das gewöhnliche Interesse und ohnedie Energie im Willensausdruck, die ihn sonst beseelte. Seine Ge-mütsstimmung war tief herabgedrückt, und er dachte an die Nieder-legung des Oberbefehls. Man kann es wohl begreifen, wie sehres ihn schmerzte, gerade in einem solchen Augenblick zu erkranken.Dennoch mußte er von dem verhängnisvollen Schritt zurückge-halten werden, weil, wenn er die Armee verließ, Langeron derenFührung hätte übernehmen müssen. Gerade dieser Mann aber warfür eine solche Rolle nicht geeignet. Größte Verwirrung hätte ent-stehen können. Blüchers persönlicher Einfluß sollte sogleich seinenWert betätigen. Woran der Feldmarschall gedacht, das führte Jorckeines Tages aus. Verärgert durch allerlei dienstliche MißHellig-keiten, gereizt durch die Empfindung, daß Gneisenau jetzt die Armeeführe, dem er sich nicht unterordnen wollte, gab er sein Kommandoab, setzte sich auf den Wagen und verließ das Korps. Da riefen ihnfolgende Zeilen Blüchers zurück:allter waffengefehrte, verlassen