Untätigkeit der schlesischen Armee
431
sie die armeh nicht, da wihr am sihl sind, ich bin sehr krank undgehe selbst so ballde der kampff vollendet."
Die Armee aber rührte sich nicht. Der Beschluß wurde gefaßt,sie von der Oise zur Rechten bis links nach der Straße von Reims in weitläufiger Unterkunft auszudehnen, um ihr Ruhe, Erholuugund bessere Ernährung zu gönnen. Ein Unternehmen gegen Com-piegne wurde Bülow anheimgegeben, eine kleine Expedition gegenSt. Quentin ausgeführt, Operationen längs der Oise auf Paris erwogen, tatsächlich aber nichts Ernstes unternommen. „Die schle-
sische Armee blieb wie gelähmt stehen."
->- 5
4-
Napoleon war ihr gegenüber hinter der Aisne verblieben. Erdachte daran, dort seine Armee neu zu ordnen, zu verstärken, wasihr sehr not tat, und ihr Ruhe zu gönnen. „Meine junge Gardeschmilzt wie der Schnee; nur die alte hält sich." Da ging ihmam 12. des Abends die Nachricht zu, daß ein feindliches KorpsReims besetzt habe, und sogleich stand sein Entschluß fest, dorthinvorzustoßen, denn sein Adlerblick erkannte die sich unerwartet dar-bietende Gelegenheit zu einem Erfolge, der die Stimmung im Heereund im Lande wieder beleben konnte. Bei Reims ließ sich dieArmee ebenso gut wiederherstellen, wie bei Soissons und Fismes.
Es war der russische General Graf St. Priest gewesen, derReims erreicht hatte. Er kam mit einer Gruppe ehemals Lan-geronscher Truppen von der Belagerung von Mainz , um sein Korpswieder zu erreichen. Ihm folgten von Erfurt her unter Generalv, Jagow ein Rest des Kleistschen Armeekorps und noch einigerussische Abteilungen von Mainz . Am 6. März stand er mit un-gefähr 6000 Mann wenige Kilometer vor Reims , das gerade von denFranzosen besetzt worden war, die eine schwache russische BesatzungVertrieben hatten. Er wollte angreifen, aber ferner Kanonendonnerund die Nachricht, daß Napoleon bei Berry-au-Bac stünde, ließenihn davon Abstand nehmen. Beobachtend blieb er bis zum 11.stehen, während die noch herankommenden Kräfte sich mit ihm ver-einigten. Nunmehr griff er überraschend an, nahm Reims , machte2500 Mann zu Gefangenen und erbeutete 8 Geschütze. In Reims traf ihn Blüchers, vor der Schlacht von Laon an ihn abgegangener,Befehl, daß er südlich der Aisne vorstoßen sollte, wenn die er-wartete Entscheidung glücklich ausfiel. St. Priest blieb indes stehen,um seinen Truppen noch Ruhe zu gönnen.