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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

Schon mittags hatte König Joseph vom Montmartre aus denbeiden Marschällen die Vollmacht erteilt, mit den Verbündeten inVerhandlungen einzutreten; dann flüchtete er aus Paris und folgteder Kaiserin. Marmont empfing die Weisung gegen 4 Uhr, under sandte zu den Verbündeten. Eine Einigung war bald erzielt,und Adjutanten jagten nach allen Richtungen, um dem KampfeEinhalt zu tun. Auf dem südlichen Flügel und in der Mitteschwieg das Gefecht nach einiger Zeit. Mortier erhielt die Mit-teilung des Königs sehr verspätet und ließ ihn suchen, als Mar-mont ihm Nachricht gab. Auf dem rechten Flügel der Ver-bündeten nahm der Kampf daher seinen Fortgang. Blücher wohnteihm im Wagen bei, noch immer schwer leidend, stieg aber amNachmittag zu Pferde und befahl den entscheidenden Vorstoß. DieDivision Horn trat gegen das Dorf La Chapelle und den Hügelder Cinq Moulins an. Das Korps Kleist und die ReservekavallerieZietens folgten ihr links gestaffelt. Rechts daneben wendete sichLangeron gegen den Montmartre, und zur Linken kam Woronzowheran. Bei La Chapelle entbrannte der Kampf zuerst mit Heftig-keit, und Mortier zog alles, was er an Truppen verfügbar hatte,dorthin heran. So kam es, daß auf dem Montmartre nur ganzschwache Abteilungen bei der daselbst aufgefahrenen Artillerie zurück-blieben und die Russen nur wenig Widerstand fanden. Endlichwurde auch La Chapelle geräumt, und der Sturm auf die Höheder Cinq Moulins begann, bis nun auch hier die Waffenruhedem Kampfe ein Ende machte. Die russische Kavallerie hatte in-zwischen noch weiter rechts ausgeholt und bei Monceaux dieNationalgarden geworfen, bis der alte Marschall Moncey, der siebefehligte, noch einmal einen wackern Widerstand an der Barrierevon Clichh organisierte. Während dieser letzten Augenblicke desKampfes traf, von Napoleon gesendet, General Dejean bei Mortiermit dem Befehl ein, daß er sich auf das äußerste halten müsse.Doch war jetzt nichts mehr zu ändern.

Spät am Abend fand dann noch eine Verständigung zwischenden beiden Marschällen statt, der zufolge auch Mortiers undMonceys Truppen hinter die Barrieren der Stadtmauer zurück-wichen. Die schlesische Armee besetzte den Montmartre vollständigund brachte 80 Geschütze hinauf, um die zu ihren Füßen liegendeStadt zu bedrohen. Die Verhandlungen dauerten dann nochwegen der Marschrichtung fort, in welcher der den Franzosen