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eine falsche Rolle gedrängt worden und mehr durch Mangel undMärsche als durch Schlachten zugrunde gegangen. 1814 ließ dieErschöpfung Frankreichs den Widerstand Napoleons nur noch alseinen Akt der Verzweiflung erscheinen, der lediglich durch die un-entschlossene und saumselige Kriegführung der Verbündeten zeit-weise einen bedrohlichen Charakter annahm. Es hätte nach derEntscheidung in Deutschland gar nicht mehr dazu kommen dürfen.Daß dies geschah, verdankte Napoleon vor allen Dingen seinem,trotz der vorangegangenen Niederlagen noch immer unerschütterten,Ansehen als Feldherr. Was ein Mann im Kriege bedeuten kaun,hat er in seinem Niedergange beinahe noch deutlicher bewiesen alsin den Tagen seines Glückes.
Wenn es nach dem Ablauf des russischen Krieges nicht zueinem Frieden kam, der die Herrschaft des Festlandes in Europa zwischen Rußland und Frankreich teilte, so ist dies in erster Liniedem wiedererstandenen Preußen zu verdanken. Es führteden Gegenstoß gegen den von Rußland abgewiesenen Feind biszur letzten Entscheidung und zur völligen Vernichtung durch. KönigFriedrich Wilhelms III. viel angegriffene Zauderpolitik hat es dahingebracht, daß das schwache Staatsschiff glücklich durch die Klippensteuerte, die sich in den Kriegswogen von 1809 und 1812 fürPreußen bargen. So kam es, daß dieses bei Beginn des großenRückschlages gegen Frankreich als ein waffenstarkes Königreich da-stand, welches seine Stimme und seine Rechte geltend zu machenvermochte. Wenn dies mit dem Nachdruck geschehen konnte, wie esder Fall war, so war dies das Verdienst der Männer der Reform,Steins und Scharnhorsts, sowie ihrer Freunde und Mitarbeiter.Sie bewirkten die moralische Wiederbelebung und auch die materielleWiedererstarkung Preußens . Jorcks Tat darf nicht vergessen werden;denn in allen verwickelten und gefährlichen Lagen, die große Ent-scheidungen nötig machen, bedarf es immer eines entschlossenenMannes, der zuerst die Brandfackel ins Pulverfaß schleudert, um dierechte Lösung zu finden und das Nachfolgende leicht zu machen. DasVolk aber hatte in bitterer Not erkennen gelernt, daß es höhereGüter gibt, als bloß bequemen Lebensgenuß und friedliche Dämmer-zustände. Es hatte die Fesseln eines gedankenlosen Egoismus ge-sprengt und sich von der dumpfen Gleichgültigkeit gegenüber demGemeinwohl frei gemacht. Aus den Stürmen von 1806 und 1807trug es den Erfolg davon, das Ungemach gering einzuschätzen,