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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Seine Absicht, die feindlichen Heere zu trennen

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schützen an der Nordgrenze von Metz bis nach Lille standen,darunter 22000 Reiter. Ihm gegenüber befanden sich um dieseZeit Wellington mit 9S000 Mann davon 33000 Engländer,37 000 Deutsche und 25 000 Niederländer mit 204 Geschützenin dem Raume zwischen Brüssel, Nivelles , Tournay und Oudenardeund die preußische Armee unter Blücher, 117 000 Mann mit312 Geschützen zwischen Charleroi, Dinant, Lüttich und Namur.In Wellingtons Heeresstärke sind nicht weniger als 16000, inBlüchers 12000 Reiter eingerechnet. Die Sachsen hatten aus dempreußischen Armeeverbande an den Rhein zurückgezogen werdenmüssen, da der unzeitige Versuch, sie der künftigen Abgrenzungzwischen Preußen und Sachsen gemäß zu trennen, unter ihnenMeutereien herbeigeführt hatte.

Wellingtons Heer teilte sich in zwei Korps unter Hill unddem Prinzen von Oranien, das Blüchersche jetzt in die vier KorpsBülow, Pirch, Zieten und Thielmann. Ein jedes setzte sich aus4 Jnfanteriebrigaden zusammen, denen meistens 2 Landwehrschwa-dronen und eine Batterie zugeteilt waren. In den Jnfanterie-brigaden mischten sich Linie und Landwehr in verschiedenem Maße.Für die Reservekavallerie eines jeden Korps blieben 57 Regimenternebst 2 reitenden Batterien verfügbar. Bülow hatte 9 Kavallerie-regimenter. Auch in der Reiterei vereinigten sich Linie und Land-wehr. Den Korps waren 2440 Geschütze als Reserveartilleriebeigegeben. So sehen wir hier zum ersten Male eine einiger-maßen gleichmäßige Zusammensetzung der Armeekorps festgehalten,wie sie dann in den späteren Kriegen Deutschlands zur Regel ge-worden ist. Die Linientruppen bestanden meist aus alten kriegs-gewohnten Regimentern; von der Landwehr aber war nur einTeil schon im Feuer gewesen, der übrige jung und unerfahren.Bekleidung und Ausrüstung ließen immer noch gar manches zuwünschen übrig. Es gab Regimenter, welche drei Arten von Ge-wehren führten, Preußische, französische und englische. Bei derNeubildung des Heeres nach dem Kriege war es in vielen Stückenbunt hergegangen. Husarenschwadronen hatten beispielsweise Ulanen-regimenter aufstellen müssen, ohne mit dem Gebrauch der Lanzeirgendwie Bescheid zu wissen. Blüchers junge Streitmacht kanndaher bei weitem noch nicht mit den Zuständen unserer Tage ver-glichen werden. Und dennoch lebte ein trefflicher Geist in seinenScharen. Clausewitz erzählt, daß er nicht von seinem Erstaunen

Frhr , v. d> Goltz, Kriegsgeschichte 31