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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Vormarsch gegen Sombreffe und Quatre-Bras 483

lang von Maubeuge her rückten das 1. Korps Erlon mit 21000Mann und das 2. Reille mit 24000 Mann vor. Am Abendhatten alle drei Heersäulen sich bereits bis auf eines einzigen Tage-marsches Breite und Tiefe genähert, und am 15. Juni früh wurdeder Marsch fast schon in Schlachtordnung in der Richtung überClMelet, Charleroi und Marchienne fortgesetzt. Es ließ sich vor-aussehen, daß er bereits zum Zusammentreffen mit dem Gegnerführen würde. Eine besondere Kriegserklärung hielt der Geächtetenicht für erforderlich. Des Kaisers Absicht war es, um Mittagdie Sambre bereits überschritten zu haben. So sehen wir ihnauch hier am Ende seiner Laufbahn noch dem alten Grundsatzetreu, vor der Schlacht aus seinem Heere eine eng zusammen-geschlossene Masse zum wuchtigen Stoße zu bilden. Dieser solltedie Richtung auf Quatre-Bras erhalten. Zuerst wollte NapoleonBlücher schlagen und auf Lüttich abdrängen, um sich dann gegenWellington zu wenden.

Napoleons Heer bestand diesmal aus einem härteren Stoffe,als in den beiden letzten Feldzügen. Soldaten von langer Dienst-zeit, Entlassene, Wiedergenesene, aus der Gefangenschaft oder dendeutschen Festungen Heimkehrende waren unter seine Fahnen ge-treten. Die Truppe erinnerte mehr als eine andere seit jener Zeitan die Prätorianer aus dem Lager von Boulogne, und wenn eindeutscher Dichter sie alsverwachsen schier mit ihrem Eisen, undverhämmert und geglüht in hundert Schlachten" schildert, so hater nicht unrecht. Jedenfalls war sie bedeutender Leistungen fähig.

In der Ausführung des Vormarsches stieß zur Linken deran der Spitze marschierende Reille bald auf preußische Vorposten,warf sie ohne besondere Mühe zurück und traf gegen 10 Uhr beiMarchienne ein, wo der Sambreübergang begann; bei der mittlerenKolonne vertrieb Vandamme gegen Mittag die Preußen aus Char-leroi und ging dort über den Fluß; die rechte Kolonne blieb einwenig zurück und war erst im Anmärsche auf Charleroi . DerFeind, preußische Truppen wich längs der Lütticher Straßezunächst auf Fleurus zurück. An der Straße nach Brüssel wurdeeine Ansammlung von Truppen bei Gosselies südlich von Quatre-Bras bemerkt. Dorthin entsendete der Kaiser das 2. KorpsReille. Er selbst hielt, die Vorgänge bei der Armee beobachtend,nördlich Charleroi am Trennungspunkte der beiden Straßen aufLüttich und Brüssel. Dort traf bei ihm der zur Armee gerufene

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