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England und Deutschland / G. von Schulze-Gaevernitz
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sich mit solcher Betrachtungsweise dieeine politische Leiden-schaft vereinen, welche zugleich Pflicht ist: ruhig starkeLiebe zum vaterlande als die höchste irdische Bestimmungdes menschlichen Willens überhaupt. Sind doch Nationendie Strahlen, in denen das göttliche Licht sich aus Erdenam großartigsten auseinander faltet. Je mehr wir selbstin die Tiefe dieses Fichteschen Gedankens hineinwachsen,um so mehr werden wir nationalpolitische Zielsetzung auchbei der fremden Nation und ihren Staatsmännern aner-kennen und zu ehren bereit sein. Sicherlich ist für Ver-ständigung bereits vieles erreicht, wenn man sich beider-seits aus die weitsichtige Wahrnehmung der eigenen Inter-essen zurückzieht, ohne von der anderen Seite mehr zu ver-langen, vieles, was sonst trennend wirkte, fällt für diesenvielleicht nüchternen, aber sachgemäßen Standpunkt indas Nichts zusammen. Erinnern wir uns: schon im Krim-kriege verlangte Bismarck nicht eine russische, nicht eineenglische, sondern eine lediglichpreußische" Politik.Wäre ihm die Notwendigkeit eines Krieges erwiesenworden, so hätte er, wie er sagte, die deutschen Soldatenmit gleicher Genugtuung auf russische, französische oderenglische Truppen feuern sehen,' in Friedenszeiten da-gegen, und wenn man keinen Krieg beabsichtigt, erschienenihm internationale Verstimmungen alsmutwillige Selbst-schwächung"/)

Werfen wir zunächst einen Blick auf Groß-britannien .

Bekanntlich hat England seit Jahrhunderten aus-wärtige Fragen überwiegend nach wirtschaftlichen Gesichts-punkten beurteilt ein Kaufmann, der dem Kavalierdasalberne Nuhmgeschäft" überließ: mochte letzterer