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fange. Zwar erlaubte uns Gladstone, unsere Hand auseinige nicht wertlose Teile Afrikas zu legen. Aber jeden-falls hat England die kolonialen Bestrebungen Deutsch-lands zum mindesten nicht ebenso gefördert, wie die dervereinigten Staaten, Japans und Frankreichs . Das be-siegte Frankreich hat seit l870 ungeheure Eroberungenüber See gemacht. Das siegreiche Deutschland mußte sichmit wenigen Brocken begnügen, obgleich es seiner ganzenwirtschaftlichen Struktur nach Kolonien nötiger braucht alsder kinderarme, rentenverzehrende Nachbar. Sonderbar!und doch vom englischen Standpunkt aus verständlich ge-nug, da Großbritannien den französischen Mitbewerber nichtmehr fürchtet, Japans bedarf, den vereinigten Staatennichts mehr verweigert. Kber diese von England aus-gehenden Hemmungen haben zunächst politisch um soweniger gewogen, als Bismarck selbst nur spät und zögerndkolonialen Interessen sich zuwandte. Jedenfalls war aufder Grundlage des britischen Freihandels zu BismarcksZeiten eine offizielle Freundschaft aus der Entfernung dergewöhnliche, unschwer zu erhaltende Zustand.
Kber gerade durch Bismarck wurden Verschiebungenvorbereitet, welche in ihrer weiteren Entwicklung die Lagezuspitzen mußten. Bismarck war Neumerkantilist — einJndustriebegründer größten Stils.
Ein preußischer Junker sagte 1879 bei Beratung desZolltarifs: Die einzuführenden Getreidezölle seien der Land-wirtschaft kein genügender Ersatz für die Erhöhung derJndustriezölle. Dieser Satz ist in tieferem Sinne wahr,als sein Urheber selbst wohl gedacht hat — dann wenigstenswahr, wenn wir unter Landwirtschaft das ostelbische Bitter-gut verstehen. Denn für dieses war der Nutzen der Ge-treidezölle nur ein vorübergehender, während, wiev. d. Goltz und Schäffle hervorheben, die tiefste Ursache