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England und Deutschland / G. von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
41
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einbrechen, so muß Deutschland die Macht besitzen, nebenGroßbritannien an ihr teilzunehmen.

Für Frieden und Verständigung ist es von Wichtigkeit,daß England den deutschen Flottenbau als unabwendbareTatsache hinnimmt. In dieser Hinsicht sind gewisse, inEngland noch weitverbreitete Irrmeinungen abzuweisen.

Der deutsche Flottenbau ist nicht das Werk einesMannes. Zwar war es das Verdienst des KaisersWilhelm II. , den Flottengedanken in das deutsche Volkgeworfen zu haben. Aber heute wird die Flotte nichtnur vom Kaiser, sondern von der Nation gebaut. Derdeutsche Flottenverein zählt über «ine Million Mitglieder:er zählt sie auf der Rechten, wie auf der Linken. Aufder Rechten schlug der Flottengedanke Wurzel trotz desentgegenstehenden Ideals eines sich selbst versorgenden, be-schränkt europäischen Agrarstaates. Aus der Linken starbdas Manchestertum, welches den Kampf der Völker alleinmit demvreiskourant" entscheiden zu können hoffte.Leider besaß das deutsche Manchestertum niemals denweltumspannenden Hintergrund eines Manchester . Diedeutschen Manchesterleute waren, selbst in ihrer besten Zeit,kleinbürgerlichen Kalibers. Wenn jetzt in England dasManchestertum veraltet ist, so berühren seine Neste inDeutschland wie vetrefakte.

Noch lebt ein Stück Manchestertum in der Sozial-demokratie, wie überhaupt auf ihrem Loden westeuropäischbourgeoise Gedankenreihen das Dasein fristen.^) Nochlehnt die Masse der deutschen Arbeiter die maritime Macht-entfaltung ab. Aber früher oder später mutz gerade fürGewerkschaftler der Satz sonnenklar werden, daß ein ehr-licher Friedenszustand wassengerüstete Mächte voraussetzt,die sich gegenseitig achten, weil fürchten. Macht doch derGewerkschaftler tagtäglich die Erfahrung, daß Verträgezwischen Schwachen und Starken zur berüchtigtenLöwen-