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mehrere hundert Millionen Mark an Kufnahmefähigkeitübertrifft. (Tabelle I.) Der englische Markt ist für unsum so wichtiger, als Deutschland nicht die Kolonien besitzt,aus welche es sich — wie England — im Notfall zurück-ziehen könnte. Die Möglichkeit Thamberlainscher Ioll-pläne ist für Deutschland ausgeschlossen,- Deutschland brauchtfremde Märkte.
Der mitteleuropäische Zollverein, welcher als Ersatzfür den sich etwa verschließenden englischen Marktempfohlen wird, ist demgegenüber ein nebelhaftes Gebilde,selbständige Großstaaten werden den wichtigsten Teil ihrerSouveränität, welcher in der Handelspolitik zum Ausdruckkommt, zugunsten einer internationalen Gberinstanznimmermehr ausgeben- sie werden sich nicht in Zollkriegeverwickeln lassen, die sie nichts angehen. Weshalb solltez. B. (Oesterreich-Ungarn sich für Deutschlands Zwecke mitEngland oder den vereinigten Staaten handelspolitischüberwerfen? Noch weniger wäre Deutschland geneigt, sichin wichtigen handelspolitischen Fragen von vertragsgenossenüberstimmen zu lassen. Der deutsche Zollverein kam einstzustande, weil in und mit ihm die Frage der politischenVorherrschaft Preußens über die deutsche Kleinstaatereientschieden wurde. Der größerbritische Zollverein ist trotzaller Schwierigkeiten denkbar, weil die Herstellung einesgemeinsamen staatsrechtlichen (Organs nicht ausgeschlossenist. (Ohne die Voraussetzung umwälzender politischer Kata-strophen ist das mitteleuropäische Zollparlament —Utopie.^)
Gegenüber derartig vagen Zukunftshoffnungen ist esjedenfalls weise, die vorhandenen Märkte zu pflegen. Wirwerden uns wohl oder übel an den Gedanken gewöhnenmüssen: der britische Freihandel ist keine Selbstverständ-lichkeit mehr, lvir stützen ihn dadurch nicht, daß wir