„offene Tür" predigen und das Gegenteil tun. Ins-besondere sollten wir in solchen Zöllen Maß halten, welcheversteckte Ausfuhrprämien für unsere industrielle Ausfuhrermöglichen. Jeder derartige Zoll wird von England als„unfair" empfunden und ist ein Nagel zum Zarge desenglischen Freihandels. Dieser Freihandel aber ist unserInteresse. Ein Wertzoll von lv bis 20°/o, wie ihn Tham-berlain vorschlug, würde bereits viele Zweige der deutschenAusfuhr stark behindern, in einzelnen Fällen sogar pro-hibitiv wirken. Auch hätten wir eine weitere Verschärfungder Vorzugszölle zugunsten Englands aus dem Boden derbritischen Kolonien zu fürchten.
Noch vor wenigen Iahren versicherten deutsche Frei-händler, daß Kanada die dem Mutterlands gewährtenVorzugszölle alsbald andern Staaten durch Handelsverträgezugänglich machen, daß keine weitere britische Koloniedem kanadischen Beispiele folgen werde usw. Diese Prophe-zeiungen sind durch die Ereignisse widerlegt worden. Leibsteiner liberalen und freihändlerischen Zentralregierunggegenüber sind die kolonialen Vorzugszölle nicht nur bei-behalten, sondern noch erweitert worden. (NeuseelandKanada hat lW6 einen dreifachen Zolltarif ein-geführt: den niedersten ausschließlich für England , denmittleren für Vertragsstaaten, den höchsten für die übrigeWelt, zu welcher zur Zeit Deutschland zählt.
Aus der andern Leite wollen wir uns hüten, einenetwaigen Lieg der britischen Finanzreformer allzu tragischzu nehmen, lvir müssen mit der Möglichkeit rechnen, daßder britische Freihandel zu Vergeltungszöllen greift oderin Schutzzoll umschlägt, wie denn das neueste vatentgesetzeiner liberalen Negierung durchaus schutzzöllnerischem Geisteentsprungen ist??) Bei Handelsverträgen würden wir einemschutzzöllnerischen England ungewohnte Dpser bringenmüssen. Aber bei dem ungeheuren Umfang der beiderseits